Hat mau vielleicht gleich den Alten über ihn Gericht haltenwollen? Wenn die Alten diejenigen Talente, welche sie für ge-fährlich hielten, auö ihrer Mitte vertrieben, so opferten sie dochden Verfolgten nicht ans, sie schafften ihn nicht fort in eine andreWelt, fesselten ihn nicht an einen schrecklichen Felsen, schlepptenihn nicht hin unter ein brennendes Clima; mit einem Worte, siebelasteten nicht die Natur mit einem Verbrechen, daß sie vielleichtnicht selbst zn begehen wagten.
Fürchtet man etwa, daß sein Name unter uns noch zu vielvermöge? Man mag sich mir in Acht nehmen, daß so nicht dergroße Zweck verfehlt werde. Die Verfolgung hat immerdar dieLheilnahme der Völker geweckt, immer die Massen, welche stetszur Großmnth geneigt sind, aufgeregt. Wenn man dem Gegnerkeine Partheigänger verschaffen will, darf man nur für Märtyrersorgen. Von welcher Nothwendigkcit sind denn diese außerordent-lichen, diese ganz unerhörten MaasrcgelN? Warum verletzt mandenn in solchem Grade das Gesetzbuch der Nationen, der Fürstenund der Private» ?
Bei den civilisirtcn Völkern schweigt die Wnth vor einemcntwaffneten Feinde; sogar den Wilden ist er heilig, besonderswenn er sich selbst auf Treue und Glauben überlieferc hat.
Warum wollte man denn noch länger sich dem widcrsctzcn,was Menschlichkeit, Recht, Religion, Moral, Politik — was alleGesetze der Gvilisativn verlangen? Warum nicht lieber thnn, wardie Großmnth, die Würde, der Ruhm und der verschaffte Dor-thcil gebieten? — Die seltnen Beispiele von Königen, welcheman der Marter und dem Tode überliefert hat, sind immer Fle-cken in der Geschichte; die Völker erinnern sich mit Abscheu der-selben , die Könige mit Grausen!! —
Ich weiß nicht, welche Abänderungen bei der Behandlung Na-poleons , seit meiner Wcgführung von St. Helena statt gesundenhaben könnten, aber vor meiner Abreise war sie unerträglich, so-wohl in .Hinsicht auf seine Würde, als in Ansehung seiner mora-lischen und physischen Existenz. Sollten aber auch wirklich, nachso langen vergeblichen Bitten seiner Diener, dabei Ermäßigungeneingetretcn seyn, so bat man doch weder den tödtlichen Einfluß desClimas, noch das Gräßliche seines Aufenthalts überhaupt abän-dern können — und das sind Dinge, welche schon an und für sichalle Lkbensguellen vergiften- ES giebt keinen Kerker in Europa,der dem nicht vorznzichcn wäre; kein menschliches Wesen, möchte«s auch körperlich und geistig noch so stark seyn, würde bei solchen