krochen? Wer hat ihn gehört? Wo ist sei» Tribunal — wo seineVerdammungs-Uriheile — wo sind seine Richter — wo ist ihrRecht? — Will inan vielleicht behaupten, daß cs keine andereGewähr, kein anderes Mittel der Sicherstellung gegen ihn gebe,als Verhaftung, Ketten und Tod? Will man behaupten, daßman sich auf sein Thun, auf sein Versprechen, auf seine Eide nichtverlassen könne? Will man seine Rückkehr von der Insel Elbahierbei zum Vewciße auführen? — Aber er war je dort souve-rainer Herr. Man hatte Tractaten mit abgeschlossen — hat mau
sie gehalten? Diesmal entsagte er bei dem Scheiden von demConrineute, aller Souvcrainetät, erklärte, daß seine politische'Laufbahn zu Ende sei; die Sache liegt mithin jetzt ganz anders.Aber selbst in dem Falle, wenn Haß und Furcht nur durch seinenTod befriedigt werden könnte, warum ist man nicht offendabei zu Werke gegangen? Ein.schneller Tod wärezwar eben so wenig gerecht, aber doch menschlicher,minder gehässig gewesen, wäre zu einer wahrenWohlthat geworde n. Das hat er selbst so gesagt, geschrie-ben und wiederholt; wer möchte es wohl wagen, die Wahrheit ei-ner solchen Versicherung abzuläugnen.
' Und welche mächtigen Bewegnngsgründe könnte man auch fort-an noch haben, um diese unerträgliche Lage zu rechtfertigen.
.Hat man vielleicht seine ehemaligen feindlichen Einfälle be-strafen wollen? Die Völker sind ja durch den Sieg versöhnt; sieschweigen.
Hat man das Wiedervergeltungsrecht ausübcn wollen? Na-poleon war bei Andern, Herr zu thun was ihm gefiel. Hat er dennda auch so gehandelt? — Man denke doch zurück an Austerlitz, denBivouac in Mähren, an Wien, an Tilsit, die Zusammenkunftin Dresden; noch mehr erinnere man sich an das, was der Ge-schichte am schwersten zu vertheidigen werden wird, an Karl den IV.Dieser war ein Gefangener und in seiner Gewalt; aber er konn-te, wie es ihm beliebte, und immerfort als König, in Compiegne,oder in Marseille oder in Rom leben; so wie denn auch Ferdinandjederzeit zu Valeucey auf das sorgsamste verpflegt wurde und alleZeichen der Ehrfurcht erhielt, ans welche er nur immer Anspruchmachen konnte. Ein Prinz, der ihm den Thron streitig macht,fällt in seine Hand; welchen Gebrauch macht Napoleon von seinemSiege? Großmüthig giebt er dem Gefangenen sofort die Freiheitzurück und die Geschichte wird diesen Zug neben der unwürdigenBehandlung aufstellen, unter welcher man ihn umkommeu läßt.