Druckschrift 
12 (1824)
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

— 4g —

langer Zelt von ihnen insgcsammt anerkannt war, jetzt aber vonihnen allen verlassen, in ihrem Namen ein Gefangener, und mit-hin der ganzen Welt ein Beispiel des größten, des allerschreck-lichsten Glückwechsels ist.

Seiner Wurde getreu und größer als sein Unglück, erwarteter das Ende seiner Qual nur von dem Tode, ich aber den manunvcrmuthet von dem unseligen Felsen forkgctisscn hat, wo ichihm meine fromme Pflege widmete, will noch den kleinen Restdieses dahinsinkenden Lebens dazu anwcnden, so viel ich nur im-mer vermag, die Leiden zn mildern, welche ich nun nicht mehrmit ihm theilen darf.

Der Heilige Berns, dem ich mich in diesem Augenblick weihe

— ich habe ihn von selbst übernommen, er entspringt aus meinertreuen, innigen Ergebenheit für seine Person, aus der Gluck)meiner persönlichen Gefühle für denjenigen, der mein Herr war.

Alle Politik ist hierbei weit von mir entfernt. Nichts sollmich leiten — nichts soll mich schützen, als jene heilige Moral,wozu die Könige wie die Völker verpflichtet sind. Sie sei meineKraft, mein Recht, meine Entschuldigung!,

Napoleon ist ans seinem Felsen allen Peinigungen, allen Ent-behrungen; er ist der schlechtesten Behandlung der Menschen, denÜblen Einwirkungen des Klima Prejß gegeben. Dieß ist notorisch

— und zudem noch durch authentische Urkunden, die von dem Orteselbst kommen und von denen ich einige zu Einsicht der hohenAlliirten hier anfnge, hinreichend erwiesen.

Wenn nun auch — so sagt man — in dem vorliegendenFalle Kriegsgesetz und Völkerrecht um der Ruhe der Welt willenbei Seite gesetzt werden mußte — soll denn auch die Menschlich-keit alle ihre Rechte verloren haben? —

Seit drei Jahren ist nun schon überall der Friede dem Kriegegefolgt, die Leidenschaften haben sich beruhigt, Völker und Men-schen unter einander versöhnt, die Regierungen und die Partheicndie Waffen medergelegt, das gemeine Recht hat überall sein Reichwieder erlangt und nur ein einziger Mensch bleibt noch von alle»diesen Wohlkhalcn ausgeschlossen. Er allein hat keinen Thcil a»den Rechten aller andern; binausgewvrfen ans einen nackten Fel-sen, soll dort außer einem zehrenden Klima, außer den Qualeneines langsamen Todes, auch noch Haß und Mißhandlung täglichan seinem Leben nagen. Wie lange wird wohl eine solche Mar-ter noch dauern? — Ist dieser Anstand, wenn er verdammt zuLeben ward nicht zu hart — ist er dies nicht noch weit mehr, wennman ihn zum Lode verdamme? — Und was hat er denn ven-L. Lasti Lageb. rs, Bi>. 4