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Nachtr., 1 (1825)
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welchem er rin Recht hätte, sich umzubringen. Denn eS kann die-ses Recht nur im Augenblicke dcS Todes selbst cinirccen, weil Ihmdann erst bewiesen ist, daß sein Leben nur ein Gewebe von liebelnund Leiden gewesen sei.

Es giebt wohl keinen Menschen, der nicht wehreremale in sei-nem Leben, wenn er den moralischen Beängstigungen seiner Seeleunterlag, Lust bekommen hätte sich zu tödtcn, bei dem aber nicht,wenige Tage später, in Folge der Veränderungen, welche in seinenVerhältnissen und bei seiner Herzensangst eintraten, die Rene nach-gekonunen wäre. Es würde mithin der Mensch, der sich Montagsumgcbracht hat, deS Sonnabends vielleicht gern leben wollen undgleichwohl kann man sich nur einmal tödtcn. DaS Leben des Men-schen besteht aus Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. ESmüßte also das Leben wenigstens für Gegenwart und Zukunft einNebel für ihn seyn denn wenn cs dies nur für die Gegenwartist, so opfert er seine Zukunft auf. Die Hebel eines Tages gebenihm nicht daS Vesugniß, auch die künftigen Tage hinzugebcn. DerMensch, dessen Leben ein Ucbcl ist und der die Gewißheit hätte,(was aber unmöglich bleibt) daß es immer ein Ucbcl seyn undnie, weder in Beziehung auf sein Gefühl, noch in Ansehung seinesWillens, sei cs nun durch Veränderung der Umstände, sei es durchdie Macht der Gewohnheit und des Ganges der Zeit, eine andereGestalt gewinnen werde (was wiederum unmöglich Ist), würde alleinras Recht haben sich umzubringen. Wer unter der Last der gegen-wärtigen Uebcl so tief zu Boden sinkt, daß er sich selbst den Todgiebt, begeht ein Unrecht an sich selbst. Er giebt auS Verzweif-lung oder Schwäche der Eingebung eines Augenblicks nach undbringt ihm sein künftiges Leben zum Opfer.

Das Gleichniß von einem Arme, der mit einem Krebsschadenbehaftet ist und den man abiösen läßt, um den Körper zu retten,Ist nicht gut. Wenn der Wundarzt den Arm abnimmt, so ist ergewiß, daß der ganze Körper außerdem nicht forclcben könne. Dasist kein bloßeö Wort, das ist vielmehr eine ausgemachte Sache;anstatt daß die Leiden des Lebens, welche den Menschen dahinbringen sich zu tödtcn, nicht blos seine Leiden enden, sondern auchzugleich seine ganze Zukunft vernichten. Niemand wird es bereuen,der sich den Arm abiösen lies, aber er könnte wohl und würde esfast immer bereuen, sich ums Leben gebracht zu haben."

So sehr auch Napoleon aus Sankt Helena gemartert wurde,so durste er doch immeroch die Hoffnung hegen, daß vielleichtneue politische Verhältnisse die Rettung von seiner Insel herbeifüh«