Vorrede.
^as Tagebuch von Sankt Helena gehört zu der sehrkleinen Anzahl derjenigen Werke, welche dadurch, daß sic entwederwirklich Wahrheit enthalten, oder daß ihr Autor die Kunst und dasTalent besaß, das Unwahre als wahr auözuprägen, von einem hö-Hern Interesse und von nicht zu berechnender Wirkung sind.
Bei der Leichtigkeit auf diesem Wege Tadel oder Lob nach Be-lieben auszucheilen, müßte ein solches Buch unter der Feder einesBetrügers eine reichhaltige -Quelle des Ruhmes oder der Schandewerden. Die Person, welche dabei immerwährend auf der Sceneerscheint, welche man sprechen, handeln, sich erklären läßt, ist nichtmehr und kann daher das Zeugniß des Geschichtschreibers wederanfechten noch bestätigen. Ein solcher Zug auS dem Munde Na-poleons vermag einen rechtlichen Mann zu beschimpfen und eben soeinen andern zu Ehren zu bringen, der für alle Zeiten in der Ver-borgenheit bleiben sollte.
Herr von Las Cases kann jedoch nicht der Gegenstand einessolchen Verdachtes seyn und diese Bemerkungen sind auf ihn kei-neswcges anwendbar. Er ist ihnen selbst zuvorgekommen, indem ersein Recht auf Vertrauen darthut und, wie er sich hierbei ausdrückt,seinen Kreditbrief In die Hände des Lesers legt.Wir beginnen demnach damit, dessen redliche Absicht zu bezeugen,gegen welche nach unsrer Meinung durchaus nichtseingewendet wer-den darf.
L. C.Tageb. Nachte, i.
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