Druckschrift 
Theil 2 (1851)
Entstehung
Seite
316
Einzelbild herunterladen
 

316

Neunzehnter Gesang.

89.

Marfisa sprach im stillen Herzensgründe:

Gut war's, daß der nicht früher sich geregt.

War er vorhin mit jener Schaar im Bunde,

Wohl war es möglich, daß er mich erlegt,

Da ich noch jetzo kaum, in dieser Stunde,

Ertragen kann die Streiche, die er schlägt.

So spricht Marfisa ; doch bei solchem DenkenHört sie nicht auf, ihr Schwerdt im Kreis zu schwenken.

100 .

Gut war's für mich, mußt' auch der Andre sagen,Daß ich den Feind nicht ließ zur Ruhe gehn.

Jetzt, da er müd' ist von dem ersten Schlagen,

Vermag ich kaum noch, ihm zu widerstehn;

Und ließ ich ihm, zur Rast von jenen Plagen,

Bis morgen Zeit, was wäre dann geschehn?

Ich hatte Glück, so viel man kann bekommen,

Daß er, was ich ihm bot, nicht angenommen.

lOl.

Der Kampf währt bis zum Abend, scharf und bitter,Und wer gewinnt, zeigt sich noch immer nicht;

Und Keiner weiß, wie er im SchlachtgewitterDer Streiche sich erwehre, sonder Licht.

Die Nacht erscheint; da wendet sich der RitterZuerst zur hohen Kriegerinn und spricht:

Was thun wir jetzt, da uns, in gleichem Glücke,

Die Nacht befällt mit ungelegner Tücke?