Neunzehnter Gesang.
18.
Seit sie den Wunderring zurück bekommen,
Den ihr Brünett vor langer Zeit geraubt,
Hat Uebermuth so bei ihr zugenommen,
Daß sie die ganze Welt verächtlich glaubt.
Sie reist nun ganz allein; mit ihr zu kommen,Würd' auch dem Hochberühmtsten nicht erlaubt.Wenn sie a» Roland denkt, an Sacripanten,
Zürnt sie, daß die sich ihre Buten nannten.
10 .
Am meisten doch fühlt sie der Rene Plagen,
Weil sie sich günstig dem Rinalv erwies,
lind meint, sie sey mit großer Schmach geschlagen,
Daß sie so tief ihr Auge sinken ließ.
Doch Amor wollt' es länger nicht ertragest,
Als so viel Stolz sich seine» Blicken wies;
Drum stellt' er zu Medoren sich in EileUnd harrt' auf sie mit aufgelegtem Pfeile.
SO.
Kaum nun erblickt Angelica Medoren,
Der wund und kraftlos mit dem Tode stritt,
Mehr klagend, daß sein Herr ein Grab verloren,Als um die Schmerzen, die er selber litt:
Da fühlt sie, wie zu ungewohnten ThorenIn ihre Brust seltsame Rührung tritt,
Die ihr das harte Herz erweicht und mildert,
Zumal, nachdem er seinen Fall geschildert.
Ariosto II.
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IS