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6 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : viertes Heftlein
Entstehung
Seite
163
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Reiche hcrübergeschickten Abende ins dunkle Zimmer zurTochter. Warum entflossen Klotilden Thränen vor Wonne,noch eh' die Mutter sprach? weil sie schon alles erratheukonnte. Die Mutter sührte den Geliebten an die Geliebteund sagte zur Braut:nimm hin das Angebinde deines Fest-tages. Wenige Mütter sind reich genug, ein solches zugeben aber auch wenige Töchter sind gut genug, eS zuerhalten." Das Brautpaar wurde vom Druck der schwe-ren Wonne, des großen stummen Dankes vor ihr nieder-gedrückt auf die Knie und theilte sich in die zwei wohlthäti-gen Hände der Mutter; aber diese zog sie sanft aus fremdenweg und legte den Liebenden die ihrigen in einander undschlüpfte davon mit dem Laute:hieher will ich unsre Gästebringen!"-

O ihr zwei endlich beglückten, neben einander knieen-dcn guten Seelen! wie unglücklich muß ein Mensch seyn,der ohne eine Thräne der Freude oder wie glücklich einer,der ohne eine Thräne der Sehnsucht euch sehen kann setzostumm und weinend einander in die Arme fallen nach sovielen Losreißungen endlich verknüpft nach so vielen Ver-blutungen endlich geheilt nach tausend tausend Seufzerndoch endlich beglückt und unaussprechlich beglückt durchHcrzensunschuld und durch Seelenfrieden und durch Gott!Nein, ich kann heute meine nassen Augen nicht von euchwenden ich kann heute die andern guten Menschen nichtanschaucn und abzeichnen sondern ich lege meine Augenmit den zwei Thränen, die der Glückliche und der Unglück-liche hat, fest und sanft aus meine zwei stillen Geliebten imdunklen Zimmer, wo einmal der Hauch der Harmonikatöneihre zwei Seelen wie Gold- und Silberblättchcn an einander

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