Reiche hcrübergeschickten Abende ins dunkle Zimmer zurTochter. Warum entflossen Klotilden Thränen vor Wonne,noch eh' die Mutter sprach? — weil sie schon alles erratheukonnte. Die Mutter sührte den Geliebten an die Geliebteund sagte zur Braut: „nimm hin das Angebinde deines Fest-„tages. Wenige Mütter sind reich genug, ein solches zu„geben — aber auch wenige Töchter sind gut genug, eS zu„erhalten." — Das Brautpaar wurde vom Druck der schwe-ren Wonne, des großen stummen Dankes vor ihr nieder-gedrückt auf die Knie und theilte sich in die zwei wohlthäti-gen Hände der Mutter; aber diese zog sie sanft aus fremdenweg und legte den Liebenden die ihrigen in einander undschlüpfte davon mit dem Laute: „hieher will ich unsre Gäste„bringen!"-
— O ihr zwei endlich beglückten, neben einander knieen-dcn guten Seelen! wie unglücklich muß ein Mensch seyn,der ohne eine Thräne der Freude — oder wie glücklich einer,der ohne eine Thräne der Sehnsucht euch sehen kann setzostumm und weinend einander in die Arme fallen — nach sovielen Losreißungen endlich verknüpft — nach so vielen Ver-blutungen endlich geheilt — nach tausend tausend Seufzerndoch endlich beglückt — und unaussprechlich beglückt durchHcrzensunschuld und durch Seelenfrieden und durch Gott! —Nein, ich kann heute meine nassen Augen nicht von euchwenden — ich kann heute die andern guten Menschen nichtanschaucn und abzeichnen — sondern ich lege meine Augenmit den zwei Thränen, die der Glückliche und der Unglück-liche hat, fest und sanft aus meine zwei stillen Geliebten imdunklen Zimmer, wo einmal der Hauch der Harmonikatöneihre zwei Seelen wie Gold- und Silberblättchcn an einander
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