132
nicht die Wachsstatue zu erblicken, deren Leichenpredigt ergehalten und zu der er auch ein Herz aus Wachs besaß, son-dern er ging außen herum: „werde immer breiter und lau-„tcr, schöner Ort, nie umzingle dich ein Feind!" Mehr sagt'er nicht. Denn als er vor dem Kirchhos vorüberging, dacht'er: „haben denn nicht diese auch alle von dem Orte Abschied„genommen; und thu' ich'S allein?" —Bloö der Zurückblicknach dem Pfarr-Schieferdach entzündete noch einen Blitz desSchmerzens durch den Gedanken,an die mütterlichenThränen über seinen Tod; aber er sagte sich bald den Trost,daß das an Flamin gewöhnte Mutterherz der Pfarrcrin denKummer über das Opser heilen werde durch die Freude überden geretteten Liebling.
Er ging nun auf Maienthal zu und zog mit Fleiß seineträumenden Gedanken von dessen erhabnen Stellen ab, um(Abends bei der Ankunft) desto mehr — Schmerz zu genie-ßen. Aber nun spann sich sein Ich in ein neues Gedanken-gewebe ein: er überdachte das Vergnügen, ohne alle Kran-kcnnächte hell und gerade, nicht liegend, sondern aufgerichtetwie der Riese Cänäus*) in die Erde-cinzusinken — er fühltesich geschirmet gegen alle Unfälle des Lebens und gereinigtvon der stets in jedem Herzen sortnageuden Furcht — allesdieses und die Freude an erfüllten Pflichten und an be-zwungnen Trieben und die Lichter des blauen gleichsam imBlumenstaube stehenden TageS klärten seinen umgerütteltenLebensstrom so auf, daß er zuletzt länger (wcnn'S ihm nicht
*) Die Zcutauern konnten ihn nicht mit Bäumen Umschlagen,sondern mußten ihn stehend in die Erde drücken. Orpl!.
^,rj;oimnt. 168.