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6 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : viertes Heftlein
Entstehung
Seite
94
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Flamin wurde durch Schnelligkeit übermannt; aber nunfehlte cS wieder an etwas, das noch weniger als der Adelzu einem Fechtcrspiel zu entrathen ist an einer guten or-dentlichen Beleidigung. Matthieu war zwar mit Vergnügenbereit, dem Manne eine anzuthun, die zu einem Duelle hin-länglich befugte; aber der Mann mit dem kammerherrlichenDietrich ließ befahren, er werde ste vergeben und nie-mand käme zum Schuß. Recht glücklicherweise 'entsannsich der Evangelist, daß er ja selber schon eine von ihm er-halten habe, die er nur nützlich und redlich zu verwendenbrauche:Le Baut Hab' ihm sa vor drei Jahren die Toch-tcr so gut wie versprochen; und so gleichgültig dieser Mein-cid an sich sei, so behalt' er doch als Vorwand zur Züch-tigung für einen größer» Fehler seinen guten Werth." ...So nimmt auf einer schmutzigen Zunge die Wahrheit dieGestalt der Lüge an, sobald sich die Lüge nicht in die derWahrheit kleiden kann. Und Flamin ahnete nicht, daß seinangeblicher Brautführer nichts sei, als sein wahrer sabini-scher Räuber derselben.

Ich bin in Angst, man denke, daß Matthieu einemKammerhcrrn, zumal einem, bei dem Versprechen und Hal-ten die weitläuftigsten Vettern waren, die Machtvollkom-menheit zu lügen mehr abspreche als einem Hofsunker, unddaß er vergesse, wie man überhaupt über den Strom desHofs und Lebens wie über jeden physischen nie gerade hin-über gelange, sondern die Quere und schief. Aber derSchlimme verachtet den Schlimmen noch mehr, als erdenGuten hasset. Noch dazu handelte er so nicht blos ausLeidenschaft, sondern auch aus Vernunft: wurde Flamintodtgemacht, so mußte er von Agnola, die jetzt immer mehr