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6 (1847) Hesperus oder 45 Hundsposttage : viertes Heftlein
Entstehung
Seite
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Sie siele» beide einander sanft ans Herz und schwiegenüber ihre Gedanken; Emanucls Liebe verherrlichte die ihrige,und Viktor achtete seinen Freund und seine Freundin zu groß,um diese zu trösten. Er fragte sie gar nicht, wie sie Ema-nuelö Bitten beantworte; er wußte, daß sie cS versagenmüsse, weil sonst ihr Herz neben dem geliebten bräche.

Da er endlich von ihr und St. Lüne schied, und da siedaran denken mußte, daß er in wenigen Tagen nach Maien-thal gehe und da in ihren und seinen Angen Thränen.standen, die mehr als Einen Schmerz bczeichneten, und dienicht der Mensch abtrocknet, sondern der Tod oder Gott:so schauete Viktor sie unter dem Abschiede mit der stummenFrage an:sag' ich unserem Geliebten nichts?" Klotil-denö Seele blieb unter Lasten am meisten aufrecht und sieerschien nie großer als hinter Thränen, wie die Sterne amHimmel voll Regen lichter und größer herankommen; sicsah gen Himmel gleichsam fragend:könntest du, Allgütigcr,uns so tief zerschlagen?" dann wog sie gepreffet denschweren Schmerz dann fand sie ihn zu groß für dieSprache und zu groß für ihre Kraft und sie glaubt'ihn nicht mehr, und sagte doppelsinnig mit nassen Augen undmit doppelsinnigem Lächeln:Nein, Viktor, wir sehen unsja alle einmal wieder!"

Viktor ging nicht lange vorher fort, eh' die zwei ge-krönten Badgäste mit einigem Gefolge ankamen. Ichbemerk' es mit eben so wenigem Groll, als Viktor dabeiempfand, daß Agathe, ungeachtet des mütterlichen Beispiels,ganz, erstlich von Viktor, d. h. vom Antipoden und Antichristihres geliebten Bruders absiel; zweitens von Klotilden nochmehr.