Viktors Hände gibt, und jetzo nichts mehr wünscht, als zulieben und geliebt zu werden; für dieses holde Beugen einerso großen Gestalt wußte Viktor kein Opfer, keine Wunde,keine Gabe, die ihm groß genug geschienen hätte, es zu be-zahlen. — So muß man lieben; und jedes neue Recht undOpfer, das den gemeinen Menschen erkältet, macht den gutenWärmer und zarter.
Obgleich Viktor durch die Rechte seiner neuen Ver-wandtschaft ein mehr einheimisches und bequemes Leben un-ter seinen Schwiegereltern fand: so that es ihm doch wehe,daß er täglich die unvergeßlichen Pfarrleute in ihrem Gar-ten sehen mußte, und doch durch das eiserne Stabgeländerdes vorigen Duells und der jetzigen Verlobung von ihrenHerzen abgelöset blieb. Daher mußt' er auch die Brittenund ihren fortwährenden Klub entbehren. Le Baut fand esaber vorsichtig: „denn man wisse von sicherer Hand, es seien„Jakobiner und verkappte Franzosen." —
Aber KlotildenS Seele konnte den errathencn tiefenSchmerz ihrer Freundin, der Pfarrerin, nicht länger tragen;sie bestellte sie durch ein Blättchen zu einem Spaziergange.An der Warte trafen sich beide; und Viktor sah mit inner-ster Rührung, wie Klotilde sogleich die Hand seiner ältestenFreundin nahm und sie auf dem ganzen Weg nicht mehr ausihrer gab.
Klotilde kam wieder mit einem froh erhelleten Angesichtund mit Augen, die sehr geweinet hatten, und mit himmli-schen Zügen, in denen eine unnennbare, nicht sowol heißere,als weichere Liebe glänzte. Erst spät war sie ihrer Rüh-rungen mächtig genug, um Viktor etwas von der Un-terredung mitzutheilen: denn ich glaube zu errathen, daß