„Gestalten so hart? Sind sie nur meinetwegen? Haben„sie nicht auch ihr Ich? Müssen sie sich mit diesem mangel-haften, gepeinigten Selbst nicht durch die ganze Ewigkeit„schleppen? Wird nicht jeder von irgend einer fremden Seele„noch geliebt? Warum willst denn du nur Stoff zum Ab-„scheu an ihnen sehen und auö jeder Miene, aus jedem Laute„Säure ziehen? — Nein, ich will die Menschen blos„lieben, weil sie Menschen sind." — Ja wohl! dieFreundschaft kann Vorzüge begehren, aber die Menschenliebeblos Menschengestalt. Daher haben wir eben alle eine sokalte, eine so wechselnde Menschenliebe, weil wir den Werthder Menschen mit ihrem Recht vermengen und nichts anihnen lieben wollen, als Tugenden.
Unserm Viktor wurde so leicht wie nach einem Gewit-ter; das Bitterste, womit unS Beleidigungen angreisen, ist,daß sie uns zu hassen nöthigen. Auf der andern Seite fühlteer jetzo, wie unrein unser für Tugend ausgegebene Wider-stand gegen Schlimme sei, und wie sauer es selber einercdeln Seele werde, Feinde zu bekämpfen, ohne sie anzufein-den; denn dieses ist noch schwerer, als sie zu beglücken undzu beschützen, ohne sie zu lieben.
So strichen einige Wochen unter seinen erzwungnenLandungen am feindlichen Hose vorüber — denn die Bitteseines Vaters beherrschte sein Herz — und unter vergeb-lichen Hoffnungen auf KlotildenS Entscheidung und unterthränendem Zurücksehnen in die innehaltenden Tage derLiebe und in die verheerten Tage der Freundschaft. Klo-tildenö Schweigen willigte aber eben in seine Ankunft ein;doch meldete er ihr durch einen zweiten Brief noch zumUcberfluß den Tag derselben. Uebrigens wurde ihm — so