31
segnet wurde, und einstimmig wcir mau der Meinung, ein Geistlicherkönnte es nicht bester machen, und es wäre wirklich stanncnswerth.
Onkel Tom war in religiösen Angelegenheiten für die Nachbar-schaft eine Art von Patriarch. Das Moralische herrschte von Natur beiibm vor; dabei war sein Geist gebildeter, als man dies unter seinenGefährten zu finden Pflegte, und man blickte daher mit großer Ehr-furcht auf ihn, wie auf eine Art von Priester unter ihnen. Die ein-fache, herzliche, aufrichtige Art seiner Ermahnungen würde selbst Leutevon besserer Erziehung befriedigt haben. Doch in dein Gebete zeich-nete er sich besonders aus. Nichts konnte die rührende Inbrunst,den kindlichen Ernst seiner Gebete übertrcffen, welche mit Stellen ausder heiligen Schrift dnrchwebt waren, die i» sein eigentlichstes Wesenübcrgegangc» zu sein, und ihm selbst unbewußt von seinen Lippen zukommen schienen. Nach der Aeußerung eines frommen alten Negersbetete er ,,grade hinauf." Und so sehr wirkte sein Gebet gewöhnlichauf die Zuhörer, daß cs in Gefahr stand, unter den lauten Aeuße-rungen der Bewunderung verloren zu gehen.
Während dieser Auftritt sich in der Hütte des Selaven zutrug,fand ein ganz anderer in der Halle des Gebieters Statt.
Der Sclavenhändler und Mr. Shelby saßen mit einander indem Speisezimmer an einem Tische, der mit Papieren und Schreib-geräth bedeckt war.
Mr. Shelby zählte eine Anzahl Noten, die er dann dem Scla-venhändler übergab, welcher sic ebenfalls zählte.
„All's schön," sagte der Sclavenhändler, „und nuunterzeichnetdas hier."
Mr. Shelby zog hastig die Verkaufsacten zu sich, und Unter-zeichnete sic, wie ein Mensch, derEile hat, ein unangenehmes Geschäftabzuthnn, und schob sie dann mit dem Geldc hinüber. Halcy zogaus einer sehr abgenutzte» Brieftasche ein Dokument, warf einen Blickdarauf, und gab cs dann an Mr. Shelby, der es mit einer Bewegungunterdrückter Hast nahm.
„Na, nu ist die Geschichte gethan," sagte der Sclavenhändler,indem er aufstand.