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Anna von Oesterreich übernahm die Regentschaft während der Min-derjährigkeit Ludwigs XIV. Jetzt wurde Vinccnz als königlicherRath in geistlichen Angelegenheiten berufen, und bat vergebens umEnthebung von dieser Stelle. Unerschrocken trat er nun den selbst-süchtigen und unreinen Absichten des allgewaltigen Ministers Mazarinentgegen, und flößte diesem so große Scheue ein, daß er nur danneine seiner Kreaturen auf geistliche Stellen zu befördern wagte, wannViuccuz abwesend war, denn kühn vertrat dieser allen Unwürdigenden Zutritt zum Heiligthum.
Während des Aufstandes der Fronde kämpfte Vineen; mitvielen Mühen und Gefahren als treuer Anhänger des königlichenHauses, aber auch die Kriegsunruhen konnten ihn nicht abhalten,unter Lebensgefahr in den aufgeregten Gegenden seine Missionen zumachen, und ohne Unterschied jeden: Leidenden Trost zu spenden.Fast war er unter den Mühen seiner apostolischen Arbeiten erlegen,als ihn die Königin nach Paris zurückricf.
Endlich bezcichucte er noch die letzten Jahre seines Lebens durchwohlthätige Anstalten, die durch ihn und seine Beihilfe ins Lebensgerufen wurden. Dahin gehört die Genossenschaft der Töchterder Vorsehung, der Töchter vom heil. Kreuze, dieStiftung des großen Findelhanses von Paris, desSpitals vom Namen Jesus, deS allgemeinen Spitals,worin gleich anfangs gegen 5000 Arme ausgenommen wurden, undendlich des Spitals zu S aint-Reine in Burgund für Gebrech-liche aller Art, welche bei den dortigen Mineralquellen ihre Gene-sung suchen wollten. Lauter Institute, von denen jedes allein schonseinen Namen verewigen würde.
Nach allen diesen Arbeiten wurde der treue Diener am 27. Sep-tember 1660 in einem Alter von 85 Jahren von seinem Herrn zusich gerufen, und in den Hütten der Armen, wie in den Palästenflößen Thränen dankbarer Liebe und inniger Verehrung für denaußerordentlichen Wohlthäter der Menschheit, den die Kirche baldunter ihren Heiligen verehrte. >
Nehmen wir jedoch die Geschichte der Lazaristen wieder auf.Was nun allererst die Gründung der Seminaricn betrifft, so haben
' Vgl. die Tübinger thevl. Quartalsch. Jahrg. 1839, 2. Qnartalh. S. 320 ff.