Druckschrift 
2 (1845)
Entstehung
Seite
250
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des Pariser Parlaments und seine Mutter, Louise Sanier, eineTante des Kanzlers gleichen Namens. Obwohl er der älteste Sohnseiner Familie war, so hatte er doch schon frühzeitig auS Freudean der Tugend und an der Frömmigkeit geistlich zu werden sichentschlossen. Im Jahre 1509 zum Priester geweiht, widmete er sichmit allem Eifer den Funktionen seines Standes, besonders der Leitungder Gewissen und Bekehrung der Protestanten. Die Aussichten aufdie Bekleidung hoher Würden, welche ihm sein Stand und Vermögeneröffnetcn, brachten ihn von all' diesen geistlichen Hebungen nichtab; er schlug Abteien und Bisthümcr ans, um siech ganz nur derAusübung von guten Werken hingcben zu können. Eine seinerwichtigsten Leistungen ist seine Theilnahme an der Einführung derKarmelitinen in Frankreich.

Allein unser eifriger Mann war damit noch nicht zufrieden,daß er einen Orden verbreitet hatte, der den Frauen zum sicher»Asyle diente, welche bestimmt waren, Gott in der Abgeschiedenheitzu preisen; der Zustand des ClernS regte in ihm den Gedanken,den pricstcrlichen Geist wieder zu erwecken durch Gründung einerKörperschaft von Priestern, welche an der Wiederherstellung derkirchlichen Diöeiplin arbeiten sollten. In Folge der Verwirrungen,der Kriege, der Häresie war der Priestcrstand in große Erschlaffunggesunken; die heilige Gewohnheit zu lehren, zu predigen, zu katcchi-siren, war großentheilS verschwunden; man wählte den Priesterstand,nicht, um dessen Funktionen anszuübcn, nicht, um den kirchlichenGeist und die nöihigen Kenntnisse mitznbringen, sondern bloS um zuguten Bencfieicn und glänzenden Würden zu gelangen. Untersolchen Verhältnissen konnte die Unternehmung des Abbü Bernllenicht wirkungslos bleiben. Der heilige Franz von SalcS, CäsarBus, mehrere Bischöfe und einige andere eifrige Personen, die erum Rath fragte, ermunterten ihn zur Gründung einer Cvngregation,welche es ans sich nehme, Priester heranzubildcn, und unter denBischöfen die verschiedenen Pflichten des PriestcrstandeS auszuüben.

Am 10. November 1611 eröffnete der Abba Bernlle mit vierGenossen die erste Niederlassung des Oratoriums: sie lebten gemein-schaftlich und lagen dem Gebete und den Studien ob. Patentbricfedeö Königs und eine Bulle Pauls V. vom 10. Mai 1613 bestä-