Daß Frankreich, Oesterreich und die Pforte großmächtig ge-worden, hatte Venedig keineswegs hindern können; es mußte nvth-wendig in gleichem Verhältniß schwächer werden, wie jene erstark-ten, weil es nicht mit ihnen wuchs. Daß der große Handels-weg von Ostindien durch Colombo's und Vasco de Gamäs Ent-deckungen eine andere Richtung genommen und sich eine aufblühendeZahl neuer Seemächte desselben bemcistert hatte, war außer Vene-digs Gewalt gewesen, zu ändern. Aber Schuld der Regierungblieb cs, daß sie nicht, wie in den alten, freien Zeiten, von denZeitnmständen Vortheil zn ziehen Geist und Muth hatte. MitRecht sagt Montesquieu von der Aristokratie: Sie trachtet nichtder Vergrößerung, sondern der Bewahrung dessen nach, was fleerworben. Statt mit den Jahrhunderten zu gehen, statt sich den-selben gemäß zu halten und sich mit ihnen zu verjüngen, bcharrteder Senat unveränderlich in ererbten Ansichten und Grundsätze»,und so veraltete der Staat neben dem Neuen, was ihn nmgab.Das war das Werk der Verfassung, und alle Feinheit, und alleStaatsklugheit, die in immer kleinlicher» Sphären zurückschrmnpfenmußte, blieb ohnmächtig, dem vollen Untergang zu wehren.
Die Ausschließung jedes ausgezeichneten Geistes, wenn er sichim Bürgerstande oder bei Untcrthanen entfaltet hatte, von Theil-nahme an höher» Staatsämtern, — die Unterdrückung eines edclnWetteifers der Verdienste »ms Vaterland, der in Monarchien statt«findet, beraubte den Staat der geistige» Überlegenheit, das heißt,des wichtigsten seiner Rettungsmittel; machte die Masse des Volksgleichgültiger gegen Wohlfahrt des Ganzen, und bannte die Aus-wahl derer, welche durch Einsichten und Tilgenden die GrößeVenedigs heben sollten, auf eine geringe Zähl Personen ein, diedurch ihre Wiege bezeichnet waren. Aber die mehrsten derselbenwaren solche, die im Genuß ihrer Güterfülle, in der gewissenAussicht auf glänzende Stellen, sorglos wurden, nnd wohl durch