2Z4
den sollte. Ich bekenne also freymüthig/ daß ich auchein unglückliches Daseyn dem Nichtdaseyn vorziehc; abermit desto größerer Thorheit/ als größer mein Unglück-lichscyn ist: dieses ist aber um so größer/ als anschau-licher meine Erkenntniß/ daß ich solches nie hätte wol-len sollen. Auf eine solche Sprache werde ich antworten:gicb wohl acht/ nicht gerade da zu irre«/ wo du dieWahrheit anschaulich zu erkennen glaubst: denn wenndu selig wärest/ würdest d» offenbar das Seyn dem Nicht-seyn verziehen; weil du aber unselig bist/ ziehest du auchnoch itzt/ selbst ein unglückliches DaseyN/ dem Nichtseynvor/ während dem du das ttnglücklichscyn verwünschest.Beherzige demnach so ernst als möglich/ welch ein großesGut das Seyn scy/ welches die Unseligen/ wie die Seli-gen verlangen; denn je mehr du solches beherzigest/desto einleuchtender wird cs dir werden / daß dasUnglück-lichscyn deines SeynS gerade um so viel größer sey/ alsweiter du dich von demjenigen entfernest/ welcher istdas höchste Seyn: daß auch nur in so weit das Nicht-seyn vorzüglicher als das Unglucklichseyn dir vorkommc /als cS dir gebricht an Erkenntniß des höchsten SeynS;und daß deßwegen endlich du das Seyn verziehest/ weildu abstammcst von dem/ welcher ist das höchste Seyn.Wenn du demnach das Unglucklichseyn verabscheuest/ sopflege vorzüglich in dir die angebohrne Liebe zum Seyn:denn je feuriger du das Seyn lieben wirst/ desto ähnli-cher wirst du werden dem höchsten Seyn. Danke aber