88
Menschlichkeit zu sein, ein Mann von milderem Sinn, wardvon Douban auserwählt, und dem Befehl des Kaisers gemäßerinnert, das strengste Geheunniß zu bewahren, mährend derverhärtete Sclave erstaunt war, daß man aus der Pflege einesKranken ein größeres Geheimniß mache, als aus Tortur undHinrichtung.
Der Kranke ließ ruhig alles mit sich machen, und wennsein Zustand auch kein völlig bewußtloser war, so war es dochauch kein deutlich erkannter. Nach dem beruhigenden Badund der angenehmen Vertauschung des harte» Strohlagers,auf de>n er Jahre lang gelegen war, gegen ein weiches Bettvon Eiderdunen, wurde ihm ein beruhigender, leicht mit Opiumgemischter Trank gegeben. Der balsamische Erquicker der Na-tur stellte sich so ein, und der Gefangene fiel in einen köst-lichen Schlaf, der sich über Seele und Leib zugleich erstreckte,so daß die Gesichtszüge ihre Starrheit verloren, und diekrampfhafte» Zuckungen der Glieder einer vollkommenenRuhe wichen.
Schon röthete die Frühe den Gesichtskreis, und der frischeMorgenwind stahl sich in die geräumigen Hallen des Bla-chernäpallastes, als ein leiser Schlag an die Thüre des Ge-machs Douban weckte, der, von dem ruhigen Zustand seinesKranken nicht gestört, sich einem kurzen Schlummer überlassenhatte. Die Thüre ging auf, und es erschien ein Mann, derdie Kleidung eines Pallastbedienten trug, und hinter einemgroßen weißen Bart die Zuge des Kaisers versteckte. „Dou-ban," sagte Alexius, „wie steht's mit dem Kranken, von dessenWohl heute so viel für Las griechische Reich abhängt?"
„Gut, Herr," versetzte der Arzt, „sehr gut; und wenn erjetzt nicht gestört wird, so verspreche ich, daß seine Natur, vonder Kunst des Arztes unterstützt, über die verpestete Kerkerluft