„Ei was, Alter! Du predigst tauben Ohren, und trotzdeiner großen Gelehrsamkeit verstehst du die Höchste Wissen-schaft nickt — die Kenutniß des schönen Geschlechts. Denk',welchen Eindruck ein tapferer, vornehmer, nicht reizloser Mannmachen muß auf eine Dame, welche die Folgen einer Weige-rung zu fürchten hat! Genug, Agelastes, krächze mir nichtsmehr vor, was Unglück bedeutet, wie der Rabe, der auf blitz-versengter Eiche zur linken Hand fitzt; sondern predige mirso laut du kannst, daß schwache Herzen nie schöne Damengewinnen, und daß die am ersten den Tchrvn verdienen, welchedie Myrthen der Venus mit den Lorbeeren des Mars ver-flechten können. Und nun öffne mir die geheime Thür, welchediese zauberischen Trümmer mit Lusthainen verbindet, diedenen von Cythera und Napos gleichen."
„Euer Wille muß geschehen!" sagte der Philosoph miteinem tiefen und etwas erzwungenen Seufzer.
„Herbei, Diogenes!" rief der Cäsar laut; „wenn du ge-rufen wirst, ist Unheil nicht fern. Thu' den verborgenen Ein-gang auf. Unheil, mein treuer Neger, ist nicht so fern, daßes nicht auf das erste Prasseln dieser Steine antworten könnte."
Der Schwarze sah seinen Herrn an, und dieser winkteihm, den Wunsch des Cäsaren zu erfüllen. Diogenes ginghierauf nach einer Stelle der verfallenen Mauer, und räumtedas Gesträuch sorgfältig weg, das ste versteckte. Es zeigtesich nun ein kleines Einlaßthürchen, das von unten bis obenmit großen Quadersteinen ansgefüllt war, die der Sclavealle herausnahm, und zur Seite aufhäufte, als wolle er stespäter wieder an ihre Stelle bringen. „Bleibe zurück," sagteAgelastes zu dem Schwarzen, „diese Thüre zu bewachen, undlaß bei deinem Leben Niemand hinein, der nicht das Zeichen