Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
467
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stand hatten. Die Reichs-Collegien hatten sich bekanntlich nachlangen Verhandlungen über die Feststellung einer beständigen (per-petnirlicheu) Wahlcapitulat ion nach Kaiser Josephs I Tod endlichso weit vereinigt, daß in den ersten Tagen des Juli 1711 die bis-her vorgelegten Entwürfe in ein Ganzes zusaimnengefaßt und alsGesammt-Entwurf vorgelegt werden konnten '). Obgleich sie nachherdurch die Reichsfürsten in einigen Punkten noch mancherlei Verän-derungen erlitt, so hatte sie doch der neue Kaiser Karl VI sogleichnach seiner Wahl, wiewohl sie schon von seinen Bevollmächtigtenbeschworen war, nochmals selbst beschworen und unterschrieben °°).Darin lautete es mm aber im 10. Abschnitt also: „Da auch demRitterlichen Deutschen oder Johanniter-Orden in und außerhalb desReichs ansehnliche Güter entzogen oder bishero vorenthalten worden,so soll und will er (der Rom. Kaiser) solche Restitution zu beför-dern sich sorgfältig angelegen sein lassen, jedoch dem WestfälischenFriedens-Schluß unabbrüchig und einem Jeden an seinen Rechtenohne Präjudiz" ^).

König Friedrich von Preußen, dem durch diese Bestimmung derfernere rechtmäßige Besitz seiner Preußi s chen Krone und des Für-stenthmW-L7eu.fchatel und Valengin in Zweifel gestellt schien, ließim Reichs-Convent erklären: Er könne nimmer zugeben, daß einRöm. Kaiser durch den Inhalt des erwähnten Artikels verpflichtetsein solle, seine Königskrone und das genannte Fürstenthum zu einerbeständigen Streitfrage zu machen und seine darauf habenden Rechteewig zu bestreiten. Er müsse daher den Reichs-Convent ersuchen,diese Bestimmung ans der beständigen Wahlcapitulation, wie es be-reits in den beiden jüngsten kaiserlichen Wahlcapitulationen geschehensei, wieder zu entfernen. Der Deutschmeister erwiderte darauf: dieWahlcapitulation, über die man sich fast zehn Jahre lang berathen,endlich verglichen und als unabänderlich angeordnet habe, sei jetzteine abgemachte Sache und könne, zumal da sie einmüthig, selbstauch vom kurbrandenburgischen Gesandten genehm gehalten worden,nicht so schlechtweg wieder umgestoßeu werden. Die evangelischenStände-enthielten, sich, vorerst jeder weitern Aeußerung I.

Ohne Zweifel in des Meisters Auftrag brachte darauf der

°) Schmidt Geschichte der Deutschen XVI. 9b.

9 Schmidt XVI. 107.

I Neue Sammlung der Reichs-Abschiede IV. 340.

0 Fab er Europ. Staats-Canzlei XXIV. 158. 159.