Druckschrift 
2 (1859)
Entstehung
Seite
91
Einzelbild herunterladen
 

selbst gefangen. Zwei an sie abgesandte Rathsherren erklärten ihnenMn nochmals: da sie sich heimlich ins Ordenshans eingeschlichenund eigenmächtig den Hauskomthur in Bestrickung genommen, sofordere der Rath unabweislich seine Freilassung. Dem Deutsch-meister stehe zu jener kein Recht zu, denn außer dem Rath als ge-ordneter Obrigkeit sei niemand befugt, im Bereiche seines Stadt-gebietes eine Bestrickung zu verfügen. Es blieb jetzt den Komthurenzu ihrer eigenen Befreiung nur noch der Ausweg offen, den Haus-komthur zu der Erklärung zu bewegen, daß er nie bestrickt wordensei, und da sie die Versicherung hinzufügten: man habe dem Rathan seiner Obrigkeit in keiner Weise Eintrag thuu wollen, so fandsich dieser zufrieden gestellt'). In Nürnberg aber wollte man wissen,man habe den Hauskomthur wegen seines ärgerlichen Lebenswandelswirklich gefangen gesetzt und dann aus dem Hause entfernen wollen,weil man besorgt gewesen, er werde eine hübsche Weibsperson, „diesilberne Schnur" genannt, die er stets bei sich gehalten und in kost-baren Schmuck und Seide gekleidet, heirathen und sich alsdann mitdem Ordenshause in den Schutz und die Gewalt der Nürnbergerbegeben^). Es liegt sonach die Vermuthung nahe, daß dieß derwahre Zweck der Sendung der Komthure gewesen sein mag.

Das Jahr 1543 begann für den Orden unter traurigen Ver-hältnissen. Schwere Leiden fesselten den hochbejahrten, bisher sorastlos thätigen Deutschmeister mehre Monate lang ans Kranken-bette, bis er ihnen endlich am 4. April erliegen mußte ^). Er hattein seinem hohen Amte eine verhängnißvolle, trübe und schwer be-drängte Zeit durchlebt, jedoch stets mit der vollsten Kraft seinesGeistes bemüht, die vielfachen Stürme, welche in dieser für denOrden so schweren Zeit ihn von allen Seiten bedrohten, mit stand-haftem Muthe abzuwenden. Es lebte in ihm die Ueberzeugung fest,keine Gefahr sei zu groß, es müsse ihr mit kühnem Geist begegnet,

') So finden wir den Bericht, dat. Montag den 13. November 1542 in^.vts, in Sachen des Ordens gegen Nürnberg 121—125.

°) So berichtet Hieronymus Schürstab dem Herzog von Preußen iu einemSchreiben dat. Nürnberg 4. December 1542. Er spricht jedoch nicht vom Haus-komthur, sondern vom dortigen Spittelmeister. Ein Llsor. in der Bibliothek zuNürnberg erwähnt ebenfalls des ärgerlichen Lebens des Hauskomthurs und fügthinzu: er habe seine Concubine aus dem Hause schaffen müssen.

5 De IV»! Rsollsrolloo II. 324. Bachem 56. kLul kolloider Deutsch-Ordens-Chronik. lllsor. 126. Bock 260.