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des ästhetischen Geschmacks. Der Stifter unserer Religion gehörteoffenbar zn keiner der heutigen Kirchcupartcicn. Er stand in gött-licher Erhabenheit über wandelbares Menschenwcrk und gelehrtes,priestcrliches Träumen. In Deutschland war cs sogar einmal unterPoeten und Poetinnen eine Art Mode, so lange sie ins roman-tische Mittelalter verliebt waren, sich zum nüttelaltcrischen Chrl-stenthnm zn bekennen. Sie waren in der katholischen Kirche nichtbessere, nicht schlechtere Christen, als vorher in der protestanti-schen. Einer dichterischen Einbildungskraft und Gefühlsseligkentist Vieles gut zn halten.
Nur Diejenigen sind zn bedauern oder zn verachten, welchedurch Ehrgeiz, Eigennutz, Fignrirsucht, oder Geldes und Guteswegen, zum Ucbertritt bewogen sind. Dahin rechne ich auch jenetheologischen Herren, welche ans der Kanzel ganz in der Liebeund Weisheit Jesu athmeu, und im Privatleben gemeine, eigen-süchtige, leidenschaftliche Geschöpfe sind. Diese Apostaten, dietäglich von ihrer eigenen Lehre abtrünnig sind, haben von jeherviel zur Verminderung der Ehrfurcht beigetragen, die sic gern vonLaien, als Zoll für ihr sogenanntes „heiliges Amt" fordern.Dergleichen widerliche Doppelgcsichter machen aus der Religion,statt ein Herzeuswerk, ein Handwerk. Weit verzeihlicher find' ichdie Intoleranz und Ketzerriecherei derer, die sich für patentirtcKirchcnwächtcr halten, und Alles zur Hölle oder zum Fegefeuerverdammen, was nicht zu ihrer Kirche oder Meinung gehört.Sie vergessen nur, daß cs nicht von ihnen abhing, im InnernAfrika's oder Europa's, in einer gebildeten oder rohwildcu Fa-milie, zur Welt gekommen zu sein. Die Thoren! wären sie imGebiet des Muhamcd, oder Para-Brama geboren: sie wurdeneben so eifrig mit geladenem Gewehr vor ihrer Moschee oderPagode Schildwacht stehe».