322
„Ich weiß es nicht/' antwortete der Franziskaner, warddabei fcncrroth und schielte seitwärts nach einer Reihe von Mön-chen, die sich uns im Gespräch näherten.
„Sonderbar, unbegreiflich sonderbar! " rief Clermont lachend:„Liegt denn noch ein Thcil von Spanien im Monde? EhrwürdigeVäter, auch von Ihnen keiner weiß das Franziskanerkloster Saapiode Saagim?"
Die ehrwürdigen Väter sahen verlegen aus, schüttelten denKopf, warfen einander Blicke zu, die ich nicht verstand, und blie-ben schweigend um uns stehen. Bald waren wir von mehr alszwanzig solcher stummen, geistlichen Herren umringt, die uns be-trachteten.
Ich fühlte nun wirklich Langeweile, und betrachtete, um michzu unterhalten, einige im Säulengange befindliche Gemälde, mei-stens alte Bildnisse von Franziskanermönchcn. Auch das Bildnißeines Kardinals war darunter, welches einen größern Platz alsalle andern cinnahm. Der Kardinal hatte eine wahre Hciligcn-micne.
„Wer ist dieser?" fragt' ich.
„Der selige Juan de Torqucmada, der erste Großinquisitordes Königreichs," antwortete einer aus dem Haufen der Mönche.
„Ein heiliger, ein um die Kirche hochverdienter Mann!" in-tonirte ei» anderer.
„Ja Wohl! das war er!" stimmte der geistliche Hansen, wiein vollem Chor an.
„Er reinigte das Land von den Ungläubigen und Ketzern!"rief ein alter Mönch, der nun näher hervortrat, und mich mitscharfem Blick ansah, als wär' ich selbst ein Ungläubiger oderKetzer: „Binnen vierzehn Jahren hat er über hunderttausend Per-sonen das Urthcil gesprochen, und über sechstausend davonzum Feuer verdammt!"