Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
311
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Er fuhr noch lange fort mir vorzuschwärmen in diesem Ton.

Ich lieh ihm mit freundlicher Geduld gern Herz und Ohr. lindwenn er aus seiner Geliebten bald eine Fee, bald eine HimmclS-bürgcrin, bald eine in der Dunkelheit erzogene Prinzessin, bald ,die Geliebte eines spanischen Fürsten, bald etwas Anderes bildete;wenn er mir alle ihre Worte recitirte, und in jedem Worte, injedem ihrer Blicke ein holdes Geständniß für sich entdeckte waskönnt' ich ihm dagegen sagen, ohne seine schmeichelnden Täuschungenzu zerstören, ohne sein Herz zu verwunden? Die Liebe ist Krank-heit; sie ist das schönste, aber gefährlichste Fieber.

Einen gesunden Rath zu geben, war ich ohne Mittel. Hiermnßten endlich die Zeit und der glückliche Leichtsinn des mensch-lichen Herzens, oder der Zufall entscheiden. Ich zählte im Ernstaber ans Clcrmonts Flatterhaftigkeit mehr, als ans alles Andere.Ohne diesen leichten Sinn, mit welchem wir endlich allesSchmerzende und Drückende hinter uns in den Ozean des Ver-gessenen werfen, würde das arme Menschengeschlecht unter denLasten des Lebens längst anögcstorbcn sein.

Da wir nun einmal beschlossen hatten, die Rückreise ans Spa-nien nicht allzncilfertig zu betreiben, in der Sierra aber neue Ent-deckungen zu machen alle Hoffnung verschwunden war, könnt' unsdie Weltgegend sehr gleichgültig sein, wohin wir, als irrsame,fahrende Ritter der bezauberten oder bezaubernden Prinzessin nach-ziehcn wollten.

Ich schlug die Straße nach Cordova vor. In einer Stadt,wie diese, konnten wir leichter von dem Kloster Notiz erhalten,in welches Menica gebracht sein sollte. Das aber gelobten wiruns gegenseitig, um jedem Verdacht auszuweichen, den Name»der räthselhaftcn Menica de Herrera nirgends zu nennen.

Wir nahmen am Abend von allen unfern Freunden und Freun-dinnen in Guaramon Abschied. Es war eine schmerzliche Stunde.