Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
306
Einzelbild herunterladen
 

dem königlichen Intendanten der Kolonie gemeldet ward. EineMarmorbüste war die einzige Verzierung zwischen den Fenstern;ein wahrer Heiligenkopf. Der stille Ernst der Weisheit ruhte ansder hohen Stirn, nnd eine das Menschengeschlecht umfassende Liebesprach aus den zarten Zügen um Augen und Mund. Konnte On-dcano ein anderes Bild anfstcllcn, als das seines Vorgängers,mit welchem ihn einst vertrante Freundschaft verband?

Don Ondeano erschien, und behandelte mich mit der ihmeigenthümlichcn Güte. Er hat nicht den »ntcrnehmendcn Geist,nicht die auSgcbreitctcn vielseitigen Kenntnisse des Olavides; auchhat ihm der König keineswegs die unbeschränkten Vollmachtenerthcilt, wie ehemals diesem, in dem königlichen Edikt vom25. Juni 1767. Aber Ondeano folgt überall den Fnßstapfen deserhabenen Mannes, nur schüchterner gegen den Klerus, dessenfurchtbares Opfer Olavides geworden war.

Dies ist sein Bild?" fragt' ich und zeigte auf die Büste.

Nein," antwortete Don Ondeano:Es soll ein Christns-kopf sein; die Züge sind schön und kraftvoll, aber zu ältlich. Ichbesitze weder Bild noch Büste von Don Pablo."

Fühlte der Mann, als er dies sagte, nicht selbst den schmäh-lichen Vorwurf, den er sich machte? oder war er zu furchtsam,noch jetzt eine Spur von Freundschaft nnd Ehrfurcht für den nn-glücklichcn Erhabene» zu zeigen? Ich bemerkte, daß er sogar dieUnterredung ans andere Dinge lenkte, um nur den Namen desgeächteten Don Pablo nicht wiederholen zu müssen.

Als es Zeit war, wieder nach Gnaramon anfznbrechcn, führteDon Ondcanv's Frage um den Weg, welchen wir ans Spaniennach Frankreich nehmen wollten, die Gelegenheit sehr bequemherbei, mich nach der Lage des Klosters Saapio de Saagimzu erkundigen.

Ich hatte kaum das Wort ausgesprochen, als ich schon in Don