Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
297
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Spanierin halt' ich noch nie gesehen, so liebliche Gestalten nnsauch schon ans nnscrer Reise begegnet waren, »nd so reich darananch Spanien ist. Mcnica war freilich nnr, als Landmädchen, ge-kleidet. Ein einfaches Gewand von schwarzer Büre schmiegte sichdicht »m die zarten Formen ihres schlanken Leibes; ein seidenesNetz hielt das schöne, hellbraune Haar zusammen, welches sichüber die Stixzi thcilte, und nachlässig über der schmalen Achselin natürlichen Locke» niederringelte. Aber in jeder Bewegungdieser jungen Grazie lag eine so unbeschreibliche Anmnth; in den,Ernst, wie in dem Lächeln dieses zarten Gesichts schwebte ein sorührender Zauber, und ans den schwarzen Augen sprach eine soreine Seele ihre Unschuld und Sanftmuth ans, daß ich dem ge-fühlvollen Elcrmont leicht die Erstase verzeihen konnte, worein ihnder Anblick dieser Erscheinung versetzt hatte.

Er verließ sic den ganzen Abend nicht. Er war ihr beständigerBegleiter, ihr beständiger Tänzer; und wie mir's schien, nahmMeniea seine Aufmerksamkeiten mit Wohlgefallen an. Clermont,ein blühender junger Mann, in der Kraft und Fülle seines Lebens,witzig, geistvoll, immer heiter, immer in Bewegung und Thätig-keit, war allerdings znm Gefallen gemacht. An Eroberungen fehltees ihm nie, wohl an Beständigkeit. Er wollte mehr geliebt wer-den, als lieben; sein Herz bedurfte immer einer tändelnden Be-schäftigung. Nur diese Mcnica, vielleicht ohne daß sie cs wollte,fesselte den Flatterhaften, und verspann nns in ein Gewebe son-derbarer Schicksale.

Es war schon spät. Die Lustbarkeiten dauerten tief in die Nachthinein. Der Vollmond zog dnrch den sternenvollen Himmel; dieLauben waren mit Lampen erhellt; Wohlgerüchc dufteten vontausend Blumen auf; in ungewissen Dämmerungen schwammendie nmbüschten Hügel.

Ich irrte von einer Gruppe zur andern, bald zu den Alten,