ben, das Wohnzimmer der Familie, mit den Nebengemächcrn.Im Hintergründe steigt ein Seitenarm des Säniisgcbirgs, derwilde Schafbcrg, über 7iI00 Fuß hoch, zum Himmel. Am Berg-hang lagert sich dasDörflcin Wildhaus, mit seinen beiden Kirchenfür evangelisch-refvrmirte und katholische Christen.
Dies also die bescheidene Hütte, in welcher HuldreichZwingli, der kirchliche Reformator der Schweiz, geboren ward(1. Jänner 1484), dessen Namen immerdar, neben Luthers Namen,in den Jahrbüchern der Menschheit geehrt bleiben wird. Dies alsodie Umgebungen, unter welchen in reiner Gebirgslnft, beinahevicrthalbtanscnd Fnfi über dem Meeresspiegel, der Mann die Spieleund Träume seiner Kindheit genoß, der nachmals die Weltmonar-chie des römischen Stuhls gewaltiger erschütterte, als cs vor ihmKaiser und Könige vermocht hatten.
Beim Anblick dieser Hütte und ihres vom Alter schwarzen Ge-bälkes drängen sich der Seele des Vorüberwanderndcn unwidersteh-lich, mit den großen Erinnerungen, ernstere Betrachtungen auf.Der gewöhnlichste Gedanke pstegt zu sein: Wer hätte dem unbe-achteten Knaben, dem Sohne eines Dorfammanne.s, sein groß-artiges Schicksal weissagen mögen, als er im zehnten Jahre daskleine Vaterhaus verließ, nm in Basel die Schule zu besuchen? —Eine Frage, die auch bei allen berühmten und unbcrühmten Men-schen wiederholt werden könnte. Eben so wenig ist es eines Er-staunens Werth, daß Männer, welche wahrhaft groß und daner-haft durch Jahrtausende ans das Loos der Menschheit einwirkten,selten oder nie Hochgcborne oder ans der Reihe der sogenanntenErdcngötter waren, sondern von niedriger Herkunft. Denn derErdcngöttcr und Gewaltigen sind wenige; die größere Menschen-massc der Nationen besteht ans Leuten gemeinen Stammes undVermögens. Sv sind nothwcndig darunter auch der ausgezeichne-ter» Geister mehr vorhanden, als unter Wenigen. Aber was diese