Druckschrift 
14 (1853)
Entstehung
Seite
99
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sich, selbst ihre Dichter, seltenen Beschreibungen derselben ein. Viel-leicht aber war auch der Rheinfall nach nicht vorhanden.

Daß dieser Strom einst, bevor er durch den Bodensee ging,de» Weg durch den Wallen- und Zürichsee in das Aarebett ge-nommen habe, ist kaum z» bezweifeln. Der venctische und akro-nischc See des Alterthnms (wie sonst der Bodensee hieß) hattedamals also keinen andern Abstuß von Gewässern, als von denen,

welche ihm durch einzelne Bäche der schwäbischen und schweizeri-

schen Seite zugeführt worden waren. Dieser Abstuß war unbe-deutend; ward mithin nicht beachtet, zumal wenn die jetzige Fels-wand, über welche das Wasser niederstürzt, noch nicht durch denWogenfall hcrvorgcwühlt war. In Schaffhausen unter derBrücke, also eine halbe Stunde vom Rheinfall entfernt, ist dieOberfläche des Flusses um achtzig Fuß höher, als die Fläche des-selben unterhalb dem Rheinfall. Das Wasser konnte daher zwischende» Felsennferu de» Weg lange Zeit ohne Geräusch zurücklegcn.Anders aber ward cs, als der Rhein endlich seinen Lauf gegenden Bodensee durchbrochen hatte, und er die Fülle seines ganzen

Wasserschatzes in denselben ergoß, die er von 150 Gletschern und

zahllosen Waldströmen und Gießbächeu des rhätischen GebirgSempfängt. Dies war freilich schon zur Zeit der Römer der Fall.Allein vielleicht gehörte noch ein Jahrtausend dazu und mehr, umdie allmäligc, schräge Verflachung des Flusses so anszuwühlen,daß unter de» Felsen von Laufen ein senkrechter Wogensturz von70 80 Fuß entstand. Wahrscheinlich bohrt er sein Becken fortund fort tiefer. Wenigstens füllt er dasselbe nicht mit Geschieben aus.

Denn was der Rhein von Schutt und Schlamm aus den Ge-birgen und Thälern Graubündens fortreißt, setzt er im Bette desBodenseeg ab. Dafür ist in diesem noch Platz genug, weil ernicht nur einen Raum von zehn Geviertmeilen einnimmt, sondernstcllenwcis, wie z. B. zwischen Lindau und Bregenz, eine Tiefe