Druckschrift 
2 (1857)
Entstehung
Seite
1387
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Während des kurzen Feldzuges von 1815 war das Regiment Constantin-Küras-siere dem Rcserve-Cavalleriecorps unter dem Erbprinzen von H c s s c n - II o m b u r güugctlieilt und kam so in eine von Führer und Truppe tief bedauerte Untlnttigkeit.

Oberst Fürst Windisch-Grätz, seit dem Pariser Frieden in Böhmen garni-sonirend, wurde 1826 zum General-Major ernannt und kam als Brigadier nachPrag; 1830 Ritter des goldenen Yliesses geworden, verblieb er in Prag als erauch am 30. Mai 1833 zum Feldmarscliall-Lieutenant und Divisionär ernannt wurde.Schon im Jahre 1832 ward ihm die zweite Inhabcrstelle des Kürassier-RegimentsKaiser, drei Jahre später statt derselben die eines ersten Inhabers des Clievaux-lcgers-Rcgimcnts Vincent verliehen, dessen wir als Latour-Dragoner in diesemHeklenbuche so vielfältig zu erwähnen Gelegenheit gefunden.

Im Jahre 1840 wurde der Fürst cominandirender General in Böhmen; es fiel ihmnicht schwer, sich die Liebe und Verehrung seiner Truppen und der Bevölkerung zugewinnen, da er schon seit Jahren in ihrer Mitte weilend, nunmehr bei dem grössergesteckten Wirkungskreise vieles zu ihrem Besten durchzusetzen vermochte.

In den Märztagen des Jahres 1848 zufällig in Wien anwesend, ward er vonSr. Majestät dem Kaiser mit unbeschränkten Vollmachten ausgerüstet, um nachErforderniss der Umstände in jeder Beziehung disponiren zu können.

Wenigen Männern in dieser schweren Zeit war die Tragweite der immer mehrsich Bahn brechenden Bewegung vom Anfang her so klar geworden, wie ebenihm. Gehorsam dem Willen des Monarchen, so lange die Neuerungen auf demgesetzlichen Boden blieben, erschien er als eifrigster Wahrer und Vortheidigerseiner Rechte. Als es aber ausser Zweifel lag, dass die leitenden Organe Bahnenbetreten, welche Thron und Vaterland in Frage stellten, verliess er die Residenz,eilte nach Prag und fasste den grossen Gedanken, mindestens die ihm anvertrauteProvinz Böhmen vor der Hand als Bollwerk gegen die Revolution um jeden Preisdem Kaiser zu erhalten.

Die Gelegenheit hiezu sollte nicht lange auf sich warten lassen.

Die Vorgänge in Wien am 15. Mai sagten dem Fürsten im richtigen Vorgefühl,dass es auch in Prag zum Aufstande kommen werde, wo das revolutionäre Elementgewaltige Fortschritte gemacht und die Czechenpartci mit vielem Gepränge am 2. Junieinen Slaven - Congress eröffnet hatte. Er unterliess nicht, sich für diesen Fallvorzubereiten. Gerüstet erwartete er den Verlauf der Ereignisse und erklärte aufdie wiederholte Drohung einer Katzenmusik, dass, wenn sie ihm als Privatmanngelte, er sie mit Gleichgiltigkeit aufnehmen, eine derartige dem commandirendenGeneral zugemuthete Insulte aber zu verhindern wissen werde.

Am Pfingstmontage (11. Juni) erschien eine Deputation Studirender beimPürsten und forderte Waffen, Munition und Kanonen; die Verweigerung diesesBegehrens wurde zur möglichsten Steigerung der Aufregung benützt, und am 12.eme grosse Versammlung am Rossmarkte ausgeschrieben. Eine Deputation achtbarer