hievon abzuhalten. Ehe noch die Kunde von dieser Niederlage nach Konstantinopel kam, warMahmud II. am 1. Juli gestorben, und dem sechzehnjährigen Sultan Abdul Medschiddrohte nun, zumal er im Innern des Reiches wegen der allzuraschen und empfindlichenReformen seines Vaters zahlreiche Feinde und Missvergnügte hatte, die grösste Gefahr ausSyrien her, welche sich noch steigerte, als der Kapudan-Pasclia Achmed Fevzi, des neu-ernannten Grosswesjrs Cho sr e w • P asch a bitterster Gegner, die türkische Flotte am 5. Juligegen des Sultans Befehl aus den Dardanellen nach Ägypten führte und am 14. an MehemcdAli treulos überlieferte.
Der von allen Vertheidigungsmitteln entblösste junge Sultan war verloren, wenn nicht dasInteresse der europäischen Grossmächte, die Cliosrew Pascha um Hülfe anging, ihn zu rettenbeschlossen hätten. Da Mehemed Ali alle gütlichen Vorschläge, in seinem Trotze von Frank-reich unterstützt, zurückwies, so begannen die Conferenzen zu London, um diese Angelegenheitdem Ende zuzuführen.
Um diese Zeit proclamirte der Sultan am 3. November 1839 vom Kiosk von Gülhane inGegenwart der Grosswürdenträger, der Vornehmsten des Reiches, der Selieiks, der Derwische,der drei Patriarchen, des Oberrabbiners, des diplomatischen Corps, der Ulemas und Mollahs undeiner grossen Anzahl Volkes den hiernach genannten Hattischerif — ein neues Grundgesetz,durch welches der Sultan erklärte, dass den Unterthanen Leben, Ehre und Vermögen gesichert,Regelmässigkeit und Öffentlichkeit des Rechtes verbürgt, die Auflagen geregelt und gleichmässigbestimmt, die Verkäuflichkeit und Verpachtung der Ämter aufgehoben, die Gleichheit der Rechtejedes Unterthans ohne Unterschied der Religion gesichert und feste Besoldungen bestimmtwerden sollten.
Frankreich, auf Englands und Russlands Übergewicht im mittelländischen und schwarzenMeere eifersüchtig, wollte durchaus in keine Gewaltmassregeln gegen den Usurpator einwilligen;die Londoner Conferenz band sich aber nicht an diesen Protest und beschloss auch ohne Frank-reich zu handeln. Am 15. Juli 1840 kam zwischen den vier Grossmächten England, Öster-reich, Russland und Preussen der Vertrag zu Stande: Mehemed Ali die erbliche Herrschaftüber Ägypten unter Oberhoheit des Sultans, und den südlichen Theil Syriens, dies jedoch nurauf Lebenszeit zuzuerkennen, wogegen er die einträglichsten Paschaliks dieser Provinz, dannArabien und Candia und die zu ihm übergegangene türkische Flotte an die Pforte zurück-zugeben hatte.
Dem Vicekönig wurde zur Annahme dieser Bedingungen die kurze Frist bis zum 26. Augustgestellt und im Weigerungsfälle mit Erschwerung derselben gedroht, England und Österreichaber zur Ausführung der möglicherweise nöthig werdenden Zwangsmassregeln gegep MehemedAli beauftragt.
In Folge dessen vereinigte sich der kaiserliche Contre-Admiral Baron Bandiera mitdem königlich grossbritannischen Admiral Sir Robert Stopford, um nach Alexandria zusegeln, wo sie am 20. August Anker warfen. Der Vicekönig hatte sich der gestellten Forderungnicht gefügt und musste nun mit Gewalt dazu verhalten werden. Die vereinigte österreichisch-englisch-türkische Flotte erschien am 9.' September auf der Rhede von Beirut. Durch die
Einnahme von Saida am 26. September wurde der ganze nördliche Theil des Libanon von
den ägyptischen Horden gesäubert, Beirut am 10. October besetzt, und mit der Einnahme
von St. Jean d’Acre, dem Schlüssel des Libanon (3. November), ward man Meister der
ganzen syrischen Küste; Mehemed Ali’s Macht in Syrien dadurch gebrochen, hatte für ihnden Verlust des Landes zur Folge. Nach dem Falle von St. Jean d’Acre ging die Eroberung