aus Salzburg vertrieben. Yon allen Seiten drangen jetzt französische und bayerische Colonnenin Tirol ein, doch gelang es ihnen erst nach zahlreichen Gefechten im November das Landgänzlich zu erobern.
Die Unterhandlungen, welche zur Bewerkstelligung eines Friedens Graf Clemens vonMetternich und General Graf Nugent von österreichischer, und der Minister des AuswärtigenGraf Champagny von französischer Seite am 1. August zu Ungarisch-Altenburg mit einandereröffneten, wurden durch Ausbrüche französischen Übermuthes zu wiederholten Malen abgerissen.Energisch für den Feind und hoffnungsspendend für sein Volk sprach sich über den zweifelhaftenFortgang Kaiser Franz in einem würdevollen Armeebefehle vom 16. August aus: „Das wandel-bare Glück der Waffen entsprach meinen Erwartungen nicht; der Feind drang in das Innere meinerStaaten und überzog sie mit allenVerheerungen des unversöhnlichsten Krieges und einer grenzenlosenErbitterung; aber er lernte dabei den Gemeingeist meiner Völker und die Tapferkeit meiner Armeenkennen und schätzen. Diese von ihm blutig erkaufte Erfahrung und meine stets gleiche Sorgfalt fürdas Glück meiner Staaten führen die gegenwärtige Annäherung zu friedlichen Unterhandlungenherbei. Meine Bevollmächtigten sind mit jenen des französischen Kaisers zusammengetreten. MeinWunsch ist ein ehrenvoller Frieden, ein Frieden, in dessen Bestimmungen Möglichkeit undAussicht seiner Dauer liegt. Die Tapferkeit Meiner Kriegsheere und ihr unerschütterlicher Muth,ihre warme Vaterlandsliebe und ihr lauter Wunsch, die Waffen nicht eher als nach Erlangungeines ehrenvollen Friedens niederzulegen, können Mir nie gestatten, Bedingungen, welche dieGrundfeste der Monarchie zu erschüttern drohten und uns entehrten, nach so grossen und edlenAnstrengungen einzugehen. Der hohe Geist, der die Armee belebt, ist Mir und ihr Bürge, dass,sollte der Feind uns dennoch misskennen, wir den Lohn der Tapferkeit einst sicher erlangenwerden. “
Nach langen Verhandlungen, die Napoleon absichtlich in die Länge zog, kam endlicham 14. October zwischen Champagny und dem Fürsten Liechtenstein der Friede zu Wienzu Stande. Österreich brachte grosse Opfer, da es zum Besten des Bheinbundes Salzburg undBerchtesgaden und einen Theil von Österreich ob der Enns, unmittelbar an Napoleon aberdie Grafschaft Görz und das Gebiet von Monfalcone, Triest, Iirain, den Villacher Kreis vonICärnthen, den grössten Theil von Croatien, Fiume, das ungarische Litorale und Istrien abtrat,wobei der Thalweg der Save künftig die österreichische Grenze bilden sollte; an den König vonSachsen kamen einige Ortschaften von Böhmen, an das Herzogthum Warschau ganz West- oderNeu-Galizien, endlich an Russland in dem östlichen Theile von Alt-Galizien ein Bezirk von400,000 Seelen. Erzherzog Anton entsagte dem Grossmeisterthume des deutschen Ordens; denTirolern und Vorarlbergern, so wie auch den Bewohnern von Galizien ward vollkommeneAmnestie und Vergessenheit des Vergangenen zugesichert. Alle in der pyrenäischen oder italie-nischen Halbinsel durch Napoleon vorgenommenen oder noch vorzunehmenden Umwälzungenwurden anerkannt; Österreich, das dem Continental-Systeme unbedingt beitrat, verlor in diesemFrieden eine Bevölkerung von vierthalb Millionen und alle Seehäfen. Aber die schmerzlichsteBedingung war, dass es fürder eine Armee von nur 150,000 Mann halten durfte. „Ein grossesInteresse führt zu grossen Opfern; sie wurden mit seltener Hingebung gebracht, und wenn dasGlück der Waffen am Ende zum Vortheile der Feinde Österreichs entschied, so konnten sie ihmzwar die Palme des Sieges entreissen, aber unvergängliche Lorbern werden stets der Tapferkeitblühen.“