Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
208
Einzelbild herunterladen
 

208

Zehntes Kapitel.

Ach, wenn du warst mein eigen,

Wie lieb sollt'st dn mir sein!"

Dazu warf er einen in Wahrheit zerschmetternden Blickauf das unglückliche junge Mädchen. Und siehe da, siefühlte in der That innig mit ihm, sie zuckte zusammen, sicwandte den Kopf in's Zimmer, nur in der Absicht, um sichzu vergewissern, das; Niemand ihre Emotion sähe, dannder Kammcrherr hatte sein Opernglas angesetzt fülltensich ihre Augen mit Thränen, ja sie trat weinend in's Zim-mer zurück ein göttliches Geschöpf! Das war abereben der Moment, wo Herr Heinrich Böhler sich schmerz-lich verletzt in sein höheres Stockwerk znrückzog.

An dem gleichen denkwürdigen Tage hatte der Kam-mcrherr von Wenden einige seiner Bekannten zu einen; Diner,ausdrücklich auf Krankensuppe, Gerstcnschlcim und Apfel-compot, eingeladen. Gegen halb füns Uhr hatte er einegewählte Toilette gemacht, sich in seinen Fauteuil an deinbewußten Fenster gesetzt, um vermittelst weißer Halsbindeund Ordensband eine neue Demontirbatterie gegen die schöneNachbarin zu eröffnen. Der liebenswürdige Feind ließ sichübrigens nicht häufig scheu, nur einmal kam Rosa an'sFenster, dagegen aber, als er in diesem Augenblicke, wiebethcuernd seine Hand auf's Herz legte, schien sie tief er-griffen zu sein, seufzte sichtlich und verschwand nach einen;langen Blicke.

Der Kammerdiener meldete den Major Fernow, weß-