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Neuntes Kapitel.
inan entfernt die Militärmusik, mit welcher die Wachparadeaufzog. Sic spielte eilten lustigen Marsch, und da sienäher und näher kam, so hörte man mit jedem Augen-blick die heitern Klänge deutlicher und immer deutlicher.Nicht ohne Absicht und mit einem bittern Blick auf HerrnBöhler warf das junge Mädchen heftig ihre Arbeit auf den 'Tisch, strich sich ihr Haar zurecht, und trat — an's Fen-ster. Ja sie trat an's Fenster und es war ihm gerade,als fasse irgend etwas sein Herz und drücke es ohne Er-barmen zusammen, Sie trat an's Fenster, und in demsel-ben Augenblick erschien auch das Gegenüber an dem seinigen,natürlich nur in der gleichen Absicht wie Rosa, um dieMilitärmusik besser hören zu können. Schon wollte sichder junge Mann entfernen, als ihm cinfiel noch einen Ver-such zu machen, der ihm zu einer Ucberzeugung verhelfensollte. Er näherte sich Rosa: „Laß es gut sein, schreibees meiner innigen Liebe zu, wenn ich ein bischen sonder-bar gewesen bin," dabei legte er sanft seine Hand umihre Schulter. Das hatte sie früher oft und gern gelitten,ja sie hatte in solchen lieben Augenblicken ihren Kopf soauf die Seite geneigt, daß ihre Wange seine Hand be-rührte. — Heute aber trat sie bei der ersten Bewegungdazu von ihm weg, und nachdem sie rasch einen verlegenenBlick auf ihr Gegenüber geworfen, sagte sie: „Laß! — amoffenen Fenster!"
„So! — am offenen Fenster!" wiederholte er zurück-