Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
155
Einzelbild herunterladen
 

Ein photographisches Atelier. 155

Gasse so zu sagen absperrt und uns verhindern will, mitder vornehmen Welt, die dort wohnt, in gar zu nahe Be-rührung zu kommen. Aber diese vornehme Welt/' fuhr erboshaft fort,kommt doch zuweilen gern mit uns in Be-rührung. Also im ersten Stock drüben ist ein Fenster, gradedem der Frau Wittwe Weiher gegenüber; der Gesang istverstummt, Rosa steht am diesseitigen Fenster und am jen-seitigen befindet sich, oder meine Ahnung müßte mich trügen,ein junger Herr, wahrscheinlich im rothseidencn Schlafrock,da es noch früh ist. Er blickt angeblich in unsere schlechteGaffe, vielleicht vermittelst seines Opernglases, vielleicht auchnur so, und treibt allerlei kleine Thorheiten. Er legt dieFinger an den Mund oder drückt ein Blumcnbouquet, daser neben sich hat, an die Lippen, fächelt sich vielleicht auchmit seinem Schnupftuche Kühlung zu"

Schon bei den ersten Worten, die Herr Krimpf sprach,wollte sich der Photograph hastig erheben, doch legte ihmdie alte Frau ihre Hand auf den Arm und ihr Blick batihn, ruhig zu bleiben. Als aber der Maler in seiner bos-haften Art alle die Einzelnheiten berichtete, da lies; es den An-dern nicht länger auf seinem Stuhle, er sprang in die Höhe,holte ties und heftig Athem und trat an eine Stelle des Zim-mers, wo er das gegenüberliegende Haus ins Auge fassen konnte.

Herr Krimpf blickte nicht einmal zu ihm empor, viel-mehr malte er ruhig an seinem Bilde und sagte nach einerPause:Hab' ich Recht oder Unrecht?"