154
Achtes Kapitel.
gültigem Tone fort, als begönne er eine Geschichte: Es wareinmal ein König, der hatte eine schöne Tochter, — „esgibt gewisse Stunden, wo Mamsell Rosa ihr Fenster öffnetund sich an demselben sehen läßt. — Wißt Ihr, das Fen-ster ist gerade unter uns, also kann cs Euch nicht gelten.Da an's Fenster stellt sie sich, doch ehe sie sich hinstellt,singt sie vorher, und sie hat eine schöne Stimme und kannsehr laut singen. Habt Ihr sie vorhin singen hören?"fragte er mit seinem fatalen, lauernden Lächeln.
„Ja, ich habe sie gehört," sagte der Andere mit fasttonloser Stimme.
„Nun also," sprach Herr Krimpf mit dem ruhigstenTone von der Welt weiter, „dann wette ich hundert gegeneins, daß sie sich jetzt am Fenster etwas zu schaffen macht."
„Und wenn dem so wäre," mischte sich die alteFrau gereizt in's Gespräch, „wollt Ihr dem jungen Mäd-chen verbieten an's Fenster zu treten und frische Luft zuschöpfen?"
„Ich? Ganz und gar nicht. Ich will ihr überhauptnichts verbieten. O, wenn Ihr nur einmal begreifen woll-tet, wie ehrlich ich es mit Euch meine. .Nicht wahr, woich hier sitze, bin ich nicht im Stande in die Nachbarschaftzu sehen? Das werdet Ihr mir zugeben. Was ich also jetztsagen will, kann ich nicht vorher gesehen haben. UnseremHause gegenüber liegt, wie Ihr wißt, das große Palais,das mit seiner Pracht und Herrlichkeit unsere arme dunkle