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Achtes Kapitel.
unteren Etagen völlig abgeht, eine ziemliche Aussicht aufdie umherliegende Stadt, d. h. auf einige Tausend Dach-seiten und doppelt und dreifach so viele Schornsteine. Daes Vormittags gegen zehn Uhr ist, so sind die zahlreichenKnider, die das Haus beherbergt, in der Schule oder sonst-wo bei der Arbeit beschäftigt, wcßhalb das große Hausziemlich ruhig daliegt. Unten feilt freilich ein Schlosser,im ersten Stock klopfen Schuhmacher, wir hören auch imzweiten Stock eine scheltende Weiberstimme, aber alles dasverhallt in dem großen Bau, und wenn wir noch eineTreppe höher steigen in den vierten Stock, so vernehmenwir wenig mehr von der Feile, dem lederklopfenden Hammerund dem scheltenden Weibe. Dagegen klingt eine Helle undfrische Mädchenstimme an unser Ohr, und wenn sie singt:
Freudvoll und leidvoll, gedankenvoll sein,
Hangen und bangen in schwebender Pein,
Himmelhoch jauchzend, — zum Tode betrübt,
Glücklich allein ist die Seele, die liebt,
so sagt uns die ungekünstelte, herzliche Art, mit der sie ihr,Lied vorträgt, daß ihr Herz weiß, was sie singt, daß ihrHerz zuweilc« schneller schlägt, und daß sie glücklich inihrer Liebe ist. An der Thür, hinter welcher die Mäd-chenstimme ertönt, lesen wir ans einem Stück Papier, dasdort angeklebt ist: „Wittwe Weiher besorgt alle ArtenStrohflechterei."