66
Viertes Kapitel.
Die Prinzessin begab sich in das Zimmer zurück, wo derkolossale Blumenstrauß stand, und in welchem, gleich wie imNebensaale, der Kaffee servirt wurde. Jetzt, nach der Tafel,wurde kein so förmlicher Cercle gehalten, wie vorher, son-dern die Gruppen vertheilten sich zwang - und harmlos.Junge Kammerherren und Offiziere suchten sich den Hofda-men zu nähmt, man hörte sogar mitunter ein lautes Wortund ein leises Lachen, ja, man sah alte Excellenzen — vondeir wenigen Auserwählten, die bei der Hoftasel das Privi-legium haben, wenig zu sprechen und viel zu essen, —irgend einer langjährigen Damenbclanntschaft schmunzelnd dieCour machen.
Solch eine alte Excellcnz macht ihre Cour auf ganzcigenthümliche Weise. Der sehr steife und hohe Uniforms-kragen hindert sie, den Kopf nach rechts oder links zu dre-hen, weshalb sie nur ihren Augen gestattet, diese Bewegun-gen zu machen i ebenso ist es ihr aus dem angeführtenGrunde unmöglich, das Haupt zu senken, wenn sic mitirgend einer Dame sprechen will, wodurch denn ein ganzseltsames, man könnte sagen, faunenartiges Schielen nachunten entsteht. Dazu kommt noch ein sehr gesättigtes Lä-cheln um ihren Mund, und alles das zusammen gibt öftersden Worten solch einer alten Ercellenz eine ganz andereDeutung, als sie wohl selbst beabsichtigte, hinein zu legen.
„Wünsche wohl gespeist zu haben, meine Gnädige. —Ein ganz charmantes Diner!"