Druckschrift 
1 (1857)
Entstehung
Seite
45
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Diner bei Hofe.

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coiffirt waren und zeigte ein Gesicht, von dem man im erstenAugenblicke nicht wußte, fühlte man sich von ihm angezogenoder abgcstoßcn. Die Prinzessin war keine Schönheit; siehatte nicht einmal regelmäßige Züge, aber die Augen glänz-ten voll Geist, und unter der kleinen fast stumpscn Nase sahman einen Mund, der wie zum Lachen erschaffen schien, undwenn er lachte, kleine, aber blendend weiße Zähne zeigte.

Hatte man sich aber an das Gesicht der Prinzessineinmal gewöhnt, so fand man cs anziehend und reizendsnamentlich durch die Zartheit der einzelnen Partien, be-sonders aber durch die Fülle von Geist und Bosheit,die aus den dunkelblauen Augen leuchtete. Und dieser Aus-druck der Bosheit, wohlverstanden im guten Sinne, mankönnte also sagen, der Schelmerei verrietst das Innereder Dame. Dabei hinkte sic ein wenig, und grade dieserFehler war cs, der ihrer ganzen Figur etwas außerordent-lich Pikantes verlieh; denn sie wußte das durch ein eigen-thümliches Hin- und Hcrwiegcn ihres kleinen Körpers sogeschickt zu verbergen, sie wandte sich im Gespräch so raschbald rechts bald links, und dabei schossen ihre Augen sodurchdringende Strahlen nach allen Seiten, daß mau vonder ganzen Erscheinung überrascht, ja geblendet war.

Im Vertrauen sagten sich die älteren Herren des Hofes,daß die Prinzessin ein lebhafter, allerliebster, kleiner Koboldsei; daß niemand so leidenschaftlich und mit so vielem Ge-schick intriguire, wie sie, und daß es ihre , größte Lust sei.