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6 (1830)
Entstehung
Seite
108
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Auslegung de- vierunddrcißi'gstcn Psalms.

als man ihn erkannt, der Gefahr nur dadurch entgangen, daßer sich plötzlich wahnsinnig gestellt habe. Welche Begebenheit !aber immer diesem Psalme zum Grunde liegen mag (denn esmuß der Gerechte Viel leiden, wie der Psalm selbst spricht), soist doch dieses Danklied gewiß nicht in Beziehung auf David i

allein, sondern um der ganzen Kirche willen geschrieben. Es ist ^

aber zum Verständniß dieser Abschnitte der Schrift und zu rich- i

tiger Anwendung derselben aufs Leben, nöthig, gleich Anfangs l

die Quellen zu betrachten. Alle in den Psalmen vorgetragenen i

Belehrungen umfassen entweder die Lehre des Gesetzes oder derGlaubensartikel, d. h. das Evangelium, oder diejenigen Trostver-kündigungcn, welche die Verheißungen Gottes in Ansehung künf- §

tiger und gegenwärtiger Güter enthalten; oder sie sprechen end- !

lich die Verwerfung der Gottlosen aus. Hierbei muß man auch ^

die gestammte Lehre vom Gebet, vom Glauben, von den Uebun- st

gen des Glaubens in der Erwartung zeitlicher Hilfe und des !

ewigen Lebens, ferner die Lehre von der Verschiedenheit der zeit- ^

lichcn und ewigen Verheißungen, im Auge haben. Diese voran-gestellte Erwägung belehrt uns, daß dieser Psalm ein Trostpsalm !

ist, weil dieses Danklied in der Absicht, Andere durch Trost auf- !

zurichten, geschrieben worden ist, damit sie gleiche Hilfe im Glau- ^

den erflehen und erwarten sollen. Er stellt auch das Beispiel sei- l

ncr Errettung, und Verheißungen auf, in denen derselbe Gedankeöfters wiederholt ist. Wir sollen aber wissen, daß die Verhei-ßungen, und gleichermaßen die Beispiele auch uns angehen, gleichwie die Aussprüche:Kommt zu Mir Alle" rc.; ferner:Wer den Namen des Herrn anrufen wird, soll se- ^lig werden" (Matth. 11, 28. Apostelgesch. 2, 21.), einen Je-den angehen. Demnach sollen wir überzeugt sein, daß, gleichwie Abraham, Joseph, David, die Israeliten im rothen Meer,und im Ofen zu Babylon gerettet worden sind, also auch wir ^

von Gott beschützt und erhalten werden; denn es könnte bei !

der so großen Hilflosigkeit des menschlichen Geschlechts, bei so ,

furchtbarer Feindschaft des Teufels, bei dem gräulichen Wüthen ^

der Menschen, die Kirche nicht bleiben, und Familien, Schulen j

und bürgerliche Ordnung könnten nicht bestehen, wofern nicht !

der Sohn Gottes, der darum menschliche Natur angenom-men hat, damit nicht das Geschlecht der Menschen gänzlich un-tergehen möchte, unser Schutz und Schirm, und also mit unswäre, wie Ec im babylonischen Ofen sichtbar nahe war. Er istalso bei uns. Er erhört, und hilft uns, und wir sollen nicht