Am sechz. Sonnt, nach Trinit. Evang. Luk. 7, II —17. 91
gen, die sichtbar aus dem gesetzmäßigen Natuclause heraus tre-! tcn, damit Seine Herrschaft über die Natur anschaulich werde,
, und damit wir wissen sollen, daß Er, als Herr der Natur, Sol-
ches thue und bewirke, „daß wir wissen, wo es herkomme,"d. h., um uns von dem Dasein eines allmächtigen und noch« weit Hähern Wesens, als die allgemeine, nach beharrlichen Ge-
setzen geregelte Kraft der Natur ist, wiewohl auch diese vonGott ist, zu überzeugen. Diese Ordnung in der Natur sollen^ wir nun mit Aufmerksamkeit wahrnehmen, und wissen, daß sie
4 auch zu dem Zwecke gegründet worden ist, um ein Zcugniß von
Gott zu sein. Es gewinnt aber dieses Zeugnis größere Klar-i heit, wenn man es mit den entgegengesetzten vergleicht, wie denn
^ überhaupt durch die Vergleichung des Gegentheils Alles klarer
; und lichtvoller wird. Wenn wir Handlungen von cntgegenge-
> setzter Beschaffenheit wahrnehmen, dann steht der Urheber Beider
>! vor unfern Augen: eben jener allmächtige Schöpfer, der die ge-
I sammte Natur in Seiner Hand beschließt. Zugleich müssen wir
< den Satz, der von der höchsten Wichtigkeit ist, beherzigen, daß
! Gott ein unbedingt freiwaltcndes Wesen ist. Im
' Naturlaufe und in der allgemeinen Ordnung der Dinge treten
) oft Verknüpfungen von Umständen ein, die der Mensch nicht zu
! entwirren vermag; doch Gott schreitet ein, und mildert die un-
wandelbar strenge Ordnung, und viele Menschen werden täglichdurch große Wunder errettet, die wir oft gar nicht wahcnchmen.Es kann aber gewiß Jeder in seiner Geschichte solche traurigeLagen auffinden, in denen ihm jenes Wort des Psalm Erfah-rung wurde: „Wo der Herr nicht bei uns wäre, so er-säufete uns Wasser; — so verschlängen sie uns le-bendig." — „Du erhebest mich an den Thoren desTodes, auf daß ich erzähle alle Deinen Preis." (Ps.124, 1. 4. und 9,4. ) Das wollen wir bei unserm Gebete fest-halten, wo uns oft solche Gedanken stören: Ach, was betest du?Ist doch das Alles nach unabänderlicher Ordnung so bestimmt,und es geschieht, wie es einmal bestimmt und ungeordnet ist.Aber eben so gewiß waltet Gott mit unbeschränktester Freiheit,und lenkt und ermäßigt den allgemeinen Lauf der Natur, dendu dir denkst, und doch nicht völlig verstehst, in vielen Fällennach besondcrn Umständen. Wir haben nicht einmal eine voll-kommene Einsicht in die Leitung der Natur, um wie viel wenigerkönnen wir die übrigen Werke Gottes wahrnehmen und verste-hen! — Das ist die oberste Wahrheit in dieser Geschichte, und