Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
Seite
86
Einzelbild herunterladen
 

86

Am fünfzehnten Sonntage nach Trinitatis.

und auf seinem Posten bleiben,er muß nicht davon laufen,wenn's Wetter kommt," wie Viele thun. Gegen dicß Alles er-mahnt der Herr:Sorget nicht für den andern Mor-gen!" ob auch an demselben die Früchte eurer Arbeit, und Un-terhalt und Gesundheit gesichert sein werden. Was soll ich dennnun thun? Wie kann ich jene Sorgen fern von mir halten?Hier kommt die Regel:Trachtet am ersten nach demReiche Gottes; euer h i mm l i sch er V a t c r weiß, daßihr deß Alles bedürfet." Magst du auch in einer auf- !geregten unheilvollen Zeit nicht aller Beunruhigung dich entschla- !gen können, nur laß den Muth nicht sinken; tritt ihr gckraftigtdurch die göttliche Aufforderung und Verheißung entgegen:Be- !fiehl dem Herrn deine Wege, und hoffe auf Ihn; !Er wird' s wohl mache n." (Pf. 37, 5.) Das ist die fünfte IRegel.Ihr dürft nicht anders gedenken; es kann kein MenschRuhe haben, außer wenn zu Gott seine Zuversicht steht," wiePaulus sagt:Der Friede Gottes regiere in euren 'Herzen." (Kol. 3,15.) Das meinte ich, wenn ich als obersteRegel und Richtschnur des Lebens aufstellte: Uebe eine guteRitterschaft, halte Glauben und ein gutes Ge-wissen; d. h., befleißige dich einer reinen Erkenntniß Gottes, idaß du wissest, wie Er will, daß du Ihn fürchten, und Ihm >glauben sollst, daß Ec um des Sohnes willen uns zu Gnadenannehmen, erhören, leiten und regieren will.Da gehört die ?ganze Glaubenslehre dazu." Ferner: Habe ein gutes Gewissen,erwäge, welche Pflichten du üben sollst. Das zeigen die zehenGebote.Ein Jeglicher hat sein Amt;" die Hausmutter, daßsie ihre Kinder wohl erziehe, und in ihrem Hauswesen nach Kräf-ten walte. Andere Pflichten hat der Gatte, andere der Raths-herr, andere der Geistliche, andere der Zuhörer, andere der öf- !fentliche Staatsdiener, u. s. w. Welchem Beruf du auch ange-hörcst, führe ihn mit Treue und Gewissenhaftigkeit; laß nichtdurch schmerzliche Erfahrungen oder Ungeduld und Verzweiflungdir den Muth zur Ausdauer rauben. Aber wie mag ich, sprichstdu, wie mag ich den Unmuth abwehrcn, und bei so vielen Hin- Idernissen und Widerwärtigkeiten die Hoffnung nicht aufgeben?Darauf antwortet fünftens der Trost: Erflehe und erwarte vonGott Rath und Hilfe! Das ist auch die Regel im Psalm:Be-fiehl dem Herrn deine Wege und hoffe aus Ihn;

Er wird's wohl machen." Dieß stehet auch hier:Trach-tet am ersten nach dem Reiche Gottes;"es ist