Evangelium Matth. 15.
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di sich jenem Volke anschlossen, ohne zugleich auch das Ecre-monicenwesen desselben zu beobachten. Solche, die sich zum Glau-ben an den wahren Gott bekehrt hatten, und im Glaubens und Bekenntnis? sich die Verheißung vom Messias aneigneten,von dessen Segnungen sie überzeugt waren, daß sie sich auf alleVölker erstrecken sollten. Solche Menschen waren in WahrheitGenossen und Glieder der Kirche, nämlich durch wahren Glau-ben und wahre Anrufung; und eben so war Niemand ein Gliedder Kirche, der nicht jenem Volke, sei es als Israelit oder Pros-clyt, oder als Religiöse einverleibt war. Jenes Weib nun warallerdings dem Volke Israel einverlcibt, nämlich in Ansehungihrer Bekanntschaft mit den Verheißungen, ungeachtet sie es hin-sichtlich der mosaischen Gebräuche nicht war, welche ja auch nichtAlle, die sich bekehrten, annchmen mußten, wenn sie nur dieLehre sich aneigncten; und diese verstand jenes Weib besser noch,als die Pharisäer, die in Träumen von einem weltlichen Mes-siäsreiche und von einer Verdienstlichkeit ihrer Opfer besangenwaren.
Es sieht sich aber das Weib getrieben, den Messias anzu-rufen, weil ein heftiger Schmer; sie quält, den sie in den Wor-ten ausspricht: „Meine Tochter wird vom Teufel übel> geplagt."
Bon der ältcrlichen Liebe.
Hier bietet sich unserer Betrachtung eine mütterliche Em-pfindung dar, deren Stärke jugendliche und unerfahrne Gemü-ther nicht ahnen. Nur sie, als Mutter, konnte ganz die Größeihres Schmerzes empfinden. Ich erinnere mich, daß, als einst6r. Luther, I)r. Bugenhagcn, Amsdorf, vr. Jonas und ich zu-sammen saßen, und mancherlei über die ältcrlichen Gefühle spra-chen, Amsdorf sagte: Ich weiß, ich weiß, was das sagen will!Aber Ilr. Luther unterbrach ihn mit den Worten: Nein, Ihrwißt Nichts von diesen Dingen! Denn Jener war nie verehelicht,nie Vater gewesen, darum konnte er die Vatergefühle nicht ken-nen; weit weniger fassen Jünglinge die Größe des mütterlichenSchmerzes. Du bist verpflichtet, nächst Gott deine Aeltern ammeisten zu lieben; aber viel heißer ist die Liebe deiner Aelterngegen dich. Die glühendste Liebe jedoch ist die einer Mutter ge-gen ihre Kinder, und bedeutsam ist das deutsche Sprichwort:„Wer hat dich am liebsten? Die Mutter." Dieses Muttergefühlgenannt) ist das von Gott der menschlichen Natur in