Druckschrift 
6 (1830)
Entstehung
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Am Lage Johannes des Evangelisten.

Ein vergeltendes Auge hat Gott!" ^

Auf die Sterblichen schau'n mit richtendem Auge die Götter."

Wie die Lhat, die er schuf, so ist das Ende des Mannes." i

Und treffend sagt Pindar: !

Süß ist der Raub, doch herb der Nachgenuß." !

An solche Aussprüche muß man sich erinnern, auf die Bei- ^spiele im täglichen Leben achten, und mit allem Ernst solche Ge- .danken fern von sich halten, mit denen so Viele sich schmeicheln:

Ich will meinen Begierden folgen, so lange ich es Alters halberkann, und werde doch durchkommcn. Aber du wirst es dennochnicht, wie sehr wahr Salomo sagt:das gottlose Wesenerrettet den Gottlosen nicht; und ob auch ein Sün-der lebet, und nicht bald geschieht ein Urtheil überseine bösen Werke, so wird es doch zuletzt ihm nichtwohl gehen." (Pred. Sal. 8, 8. 12. 13.) Damit stimmt auchder Ausspruch jenes heidnischen Dichters zusammen:

Armer! und wenn auch zuerst du künstlich verbiegest den Meineid,

Spät holt, leisesten Schritt's, dennoch die Rache dich ein."

Wir sehen, daß Räuber und Diebe zuletzt doch noch von derStrafe ereilt werden, und Vielen geschieht's, daß sie sich vonselbst dem Gerichte stellen. Gott will Seine Gerechtigkeit kundmachen; darum straft Ec die Uebelthäter. Und Ec ist nicht etwalangsam in der Vollziehung Seiner Strafgerichte. Das geschiehtin diesem Leben nach fester Regel, und zwar wird der Mensch fgemeiniglich durch Das bestraft, wodurch er gesündigt. ^

Obgleich Gott bei Bußfertigen die Strafen mildert, so ahn-det Ec doch auch an Heiligen die Vergehungen; und wir wollenes nur nicht verkennen, daß nur darum so viel Noch und Unheilin der Welt verbreitet, so vielfältige Strafe über sie verhängt ist,weil die Welt Sünden häuft, und göttliche und menschliche Rechteverachtet. Jeder maßt sich Willkür an, zu thun, was ihm be-liebt, daher kann es nicht anders kommen, als daß wir besondere ,und allgemeine Züchtigungen erfahren.

Der dritte Grund ist: die Nothwendigkeit, das . Glück An- ^derer nicht zu stören. In dieser Beziehung heißt es:Dusollst deinen Nächstcn lieben als dich selbst!" (Matth.22,39.) und:Was du nicht willst, daß man dir thue,das thue einem Andern auch nicht!" (Lob. 4, 16.) '

Wir sollen nicht so rücksichtslos sein, zu meinen, wir ständen