Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
986
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QuiNtiliarms

Quirini

aber die Stimmen nur verdoppelt, dann spricht man nicht von Quintett. Was vomQuartett gesagt worden, gilt auch von diesem.

Quintilianus oder Quinctilianus (Marcus Fabius), blühteim 1. Jahrh. unserer Zeitrechnung und kam aus Calaguris (jetzt Calahorra) inSpanien, s. Geburtsstadt, frühzeitig nach Rom, wo er zuerst als Redner vor Ge-richt und Sachwalter, dann als Redclehrer (Rhetor) sich berühmt machte. Er hattedie vornehmsten Römer zu s. Schülern. Der Kaiser Domitian ertheilte ihm oieEonsulwürde. Unter besten Regierung, in den letzten Jahren s. Lebens, schrieb Q.s. vortreffliches WerkDe institutiulio orstoria", welches eine Theorie der Rede-kunst ausstellt. Man erkennt darin-den geübten Meister und den feingebildeten,geistvollen Mann, den würdigen Nachahmer Cicero's. Vorzüglich anziehend undwichtig für die Geschichte der Literatur ist das 10. Buch, wo er mit ebenso vielScharfsinn als Bündigkeit s. Urtheil über die Schriftsteller der Griechen und Rö-mer ausspricht. Außerdem legt man dem Q eine ansehnl. Sammlung zur Übunggehaltener Reden (llevlsmationen) bei, die aber bei weitem nicht so anziehend sindals jene Theorie, auch nicht die Vollendung haben, welche man, ihr zufolge, erwar-ten sollte, daher man auch glaubt, daß wenigstens nicht alle von Q. selbst herrüh-rrn. Endlich findet man noch in den Ausg. der Quintil. Werke eine SchriftDeoratoribus sive cle esusi» corruptae eloguentiae" (Von den Rednern, oder denUrsachen des Verfalls der Beredsamkeit"), die aber mehre Gelehrte dem Tacitus,Einige einem andern Vf. zuschreiben. Die vorzüglichsten Ausg. sind von Burmann(Leyden 1720,2 Bde., 4.), von Capperonier (Paris 1725, Fol.), Gesner (Gött.1738, 2 Bde., 4.), Spalding (Lpz. 17981816, 4 Bde.) und von Lünemann(Hanov. 1826,2Bde.). Eine deutsche Übers, lieferte Henke u. d. T.:Lehrb. derschönen Wissenschaften in Prosa" (Helmsr. 177577, 3 Bde.).

Quintole, eine Notensigur, Tonfigur, aus 5 Tönen bestehend, welchezusammenhängend vorgctragen werden und die Haltung von 4 Tönen gleichenWerths haben.

QuintuS Calaber oder Smyrnaus, ein griech. Dichter, bestenZeitalter ebenso wenig genau bekannt ist als s. Geburtsort. Seine Beinamen be-ziehen sich darauf, daß s. Gedicht in Calabrien aufgefunden wurde, und daß er indemselben Smyrna als s. Aufenthaltsort erwähnt. Wahrscheinlich lebte er im 4.Jahrh. n. Ehr. Sein GedichtHc«^tt1ki7rozrkv« (kostiiomerioa")

enthält eine Fortsetzung derIlias", worin Homer zwar nachgeahmt, aber freilich ins. anmuthigen und gemüthlichen Einfachheit und Alterthümlichkcit nicht erreichtworden ist. Die neueste kritische Ausg. von Tychsen, mit Anmerk, von Heyne, er-schien im Verlage der zweibrücker Gesellschaft (Strasb. 1807, 2 Bde.).

Quippos, eine Art von Farven- oder Bilderschrift, welche den Peruanern,die vor der Eroberung ihres Reichs durch den Spanier Pizarro zu Anfänge des 16.Jahrh. die Schreibekunst nicht kannten, statt derselben diente. Es wurden nämlichmehre Faden von verschiedenen Farben an eine Schnur gereiht, und in diese FädenKnoten geknüpft. Jede Farbe hatte ihre besondere Bedeutung; wenn man durchFarben Etwas nicht bezeichnen konnte, bediente man sich der Knoten. Auf diese Artwurden nicht nur Rechnungen geführt, sondern auch Volkszählungen, historischeDenkmäler und Gesetze aufbewahrt, geschlossene Bündnisse und Verträge ausge-zeichnet w. In jeder Stadt waren Beamte zur Aufbewahrung dieser Quippvs an-gestcllt. Übrigens ersetzten mündliche Überlieferungen und kleine Gedichte das Man-gelhafte dieser Schreibart. Eine den QuippoS ähnliche Art der Schrift findet sichin Guiana, wo man gleichfalls Faden und Knoten gebraucht.

Quirini (Angiolo Maria), ein gelehrter Cardinal, geb. 1680, stammteaus einer edeln venetianischen Familie. Au Brescia erzogen, trat er in den Ordender Benedictiner von Monte Casino. Zu Florenz genoß er den Unterricht der aus-