Druckschrift 
8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
972
Einzelbild herunterladen
 

872

Quaire-bras (Treffen bei)

und an das durch Bernhard von Weimar vertheidigte Gehölz, mit dem linken andas Dorf Piermont gelehnt, hielt Wellington den Marschall Ney dergestalt aus,baß dieser sich am Abend, wo immer neue britische Corps gegen ihn anlangten, nachseinem Rückhalt bei Frasnes umsah und endlich zu einer rückgängigen Bewegungveranlaßt und gezwungen wurde, den Briten das Schlachtfeld zu überlassen. DerVerlust beider Theile war ziemlich gleich und belief sich für jeden gegen 5000 M.,unter denen der Herzog von Braunschwcig den Heldentod gesunden hatte. (S.Braunschweig, Friedrich Wilhelm v.) Ganz andre Erfolge mochteNapoleon von Ney's Leistungen erwarten, als er Nachmittags um 3 Uhr in 2Colonncn die Preußen angriff. Das 3. franz. Corps unter Vandamme wurdegegen den preuß. rechten Flügel und auf St.-Amand geführt; das 4. unter Gecarddrang gegen Ligny. Gcouchy mit der Reiterei beschäftigte den preuß. linken Flügelunter Thielemann bei Sombref. Vandamme's Angriff blieb anfangs nicht ohneErfolg, wurde aber gegen 5 Uhr so kräftig aufgehalten, daß Napoleon davon ab-ging, und weil auch Ney's erwartete Entsendung in den Rücken der preuß. Stel-lung nicht erschien, seine Aufmerksamkeit auf Ligny richtete. Auf die Behauptungdieses günstig gebauten Dorfs war vom Anfang an von den Preußen das meisteGewicht gelegt worden. Hier wüthete die Schlacht im eigentlichsten Wortverstande.Um den Besitz der einen Hälfte des Dorfs, die der gleichnamige Bach von der an-dern trennt, hatte Gcrard fast seine ganze Division hingeopfert. Er konnte nichtweiter dringen, aber auch die Preußen vermochten mit aller Anstrengung nicht, ihnzu vertreiben. Kämpfend wogten Massen gegen Massen. Wäre in diesem Augen-blicke das 4. preuß. Armeecorps erschienen, cs hätte das Schicksal des Tages ent-schieden ; cs wurde aber durch mancherlei Hindernisse unterwegs aufgehalten. Da-gegen gab das wahrgcnommene Stocken in Napoleons Andringcn gegen den rech-ten Flügel aus preuß. Seite Anlaß, dort einen scheinbaren Vortheil kräftig zu ver-folgen. Alle noch verwendbare Unterstützungstruppen wurden dorthin gewiesen,während Napoleon unerwartet sich auf Ligny wendete. Er erreichte jetzt seine Absicht durch die ausgeruheten Garden, die rechts und links des Dorfs den Bach über-schritten und die erschöpften Preußen abzuschneiden drohten, um so leichter, als die-sen aller Rückhalt, ja sogar entgegenwirkendes Geschütz entzogen worden war. Ver-geblich versuchte Blücher noch mit etwa 1000 leichten Reitern sich gegen die er-lesenen franz. Cürassierc zu stemmen; er gerieth bei dieser Gelegenheit in persön-liche Gefahr, aus welcher ihn nur ein halbes Wunder und die Dunkelheit retteten.(S. Blücher.) Es blieb ihm nichts übrig als Ligny zu räumen und sich mit dem1. und 2. Armeecorps in großen Massen auf Wavre zurückzuziehen, wohin ihn,nach Mitternacht sein 3. Armeecorps, welches weniger beschäftigt gewesen war,folgte. Napoleon überschätzte die Niederlage der Preußen und ließ sie unvcrfolgtziehen, vielleicht auch weil seine Truppen zu ermüdet waren und der Kräfte bedurf-ten, um gegen Wellington geführt zu werden. Erst am 17. erhielten die Marschälte Grouchy, Vandamme und die Generale Excelmans und Pajol den Auftrag,mit 35,000 M. die Preußen zu verfolgen, verloren sie jedoch anfänglich aus demGesicht, ein Umstand, der, sowie Grouchy's Unternehmungen bei Wav re (vgl. d.),von großem Einfluß auf die Begebenheiten bei Waterloo war. Die Preußen warenin der Schlacht von Ligny an Mannschaft überlegen; sie verloren gegen 20,000 M.und 15 Stück Geschütz, zum Thcil in Folge ihrer engen Stellung. Napoleon hattenur gegen 60,000 M. inS Gefecht gebracht, denn sein 6. Armeecorps erreichte erstbei Einbruch der Nacht FlcuruS, und das 1. Armeecorps marschirte unthätig vonFrasnes her und zurück, ob auf früher erhaltenen Befehl, ob aus Mißverständnis!oder aus eignem Antrieb des Führers, um an der Schlacht bei St.-Amand Lheilzu nehmen, ist nicht klar geworden. Ney vermißte dieses Corps zuletzt am schmerz-lichsten, Französische Angaben schätzten den Verlust bei Ligny gegen 67000