S62 Quäker
Röcke ohne Knöpfe, den Frauen eine schwarze Kopfbedeckung und grüne Schürzenverschreibt, ist für Alle Gesetz. Die Monate und Wochentage benennen sie nichtmit den herkömmlichen römischen Namen, sondern nach der Aahlenordnung. Soviele Sonderbarkeiten in Lehre, Verfassung und Sitte mußten die Quäkerum somehr zum Gegenstände des Spottes und der Verfolgung machen, je unbescheidenerund hartnäckiger sie im ersten Eifer ihrer Verbrüderung damit hervortraten. InEngland warf man Viele wegen der Verweigerung des Eides und andrer rechtswi-driger Handlungen in Gefängnisse und Tollhäuser; noch weniger glückte es ihnenin Deutschland, wo sie :'m Holsteinischen, zu Hamburg und Danzig kaum angefan-gen hatten, ihre Lehre zu verbreiten, als obrigkeitliche Verbote sie wieder vertrieben.Besser gerieth ihr Werk auf holländ. Gebiete, wo die schon 1658 in Friesland unddie später in den bedeutendsten Städten Hollands entstandenen Gemeinden sich bisjetzt behauptet haben. In England waren sie unter Cromwcll und Karl 1l. abwech-selnd geschont und gedrückt, bis ihnen die Toleranzacte 1689 vollkommene kirchlicheFreiheit verschaffte. Dieselbe genießt auch die 1786 durch engl. Apostel gestiftetekleine Quäkergemeinde in Friedensthal bei Pyrmont. Außer dieser, den holländi-schen, den jetzt 60,000 Seelen zählenden englischen, welche allein in London 32Bethäuser haben, und dcn Quäkercolonicn in den norwegischen Handelsstädten, gibtes in Europa keine Quäkergemeinden. Wo sie geduldet werden, gilt ihr einfachesVersprechen vor Gericht an Eidesstatt, und für ihre Befreiung von Kriegsdienstenentrichten sie besondere Abgaben. Nirgends aber haben sie sich weiter und freierausgebreitet als in Nordamerika. Die Ersten kamen 1660 dahin und siedelten sichin Neujersey an; Fox selbst begab sich 1662 dahin, kehrte jedoch in der Folge nachEngland zurück; aber viel zahlreichere Eolonien folgten 1681, da William Pennihnen das von der engl. Krone erhaltene Land am Delaware einräumte. Penn ging1682 selbst nach Pennstlvanien und gründete die Verfassung der dasigen, durchEinwanderungen aus England, Holland und Deutschland schnell anwachsendcnQuäkergemeinden. Seitdem haben sie sich in den meisten Provinzen der Verein.Staaten von Nordamerika ausgebreitet, wo ihre Seelenzahl über 300,000 geschätztwird. Sie genießen hier vollkommene bürgerliche und kirchliche Freiheit, mußtenaber doch die Unverträglichkeit ihrer Grundsätze mit jeder Staatsverfassung in demKriege empfinden, der die Verein. Staaten von England losriß. Damals entstandunter ihnen die besondere Sekte der freien oder fechtenden Quäker, aus deren MitteMänner wie Matlock, Green und Thomas Mifflin als Generale namhaft wurden,während die Quäker vom alten Systeme, das jede gewaltsame Vercheidigunguntersagt, ihren Patriotismus nur durch Steuern zu den Magazinen für Roggen,Weizen u. a. Körner (sie wollten nicht sagen Munition) beweisen mochten. Diefreien Quäker unterscheiden sich von den alten nur durch die Meinung von der Zu-lässigkeit der Kriegsdienste, sind aber von diesen völlig getrennt und machen unge-fähr den 6. Theil aller Quäker in Nordamerika aus. In der Würde des sittlichmCharakters übertreffen die Quäker andre christl. Sekten. Ihr Fleiß, ihre Redlich-keit und Ordnungsliebe, die Einfachheit ihrer Lebensart, der Ernst ihres Betragensund die häuslichen Tugenden, die man fast ohne Ausnahme in ihren Familienwahrnimmt, haben ihnen die öffentliche Achtung erworben. Verbrecher sind bei ih-nen höchst selten, Selbstmorde ganz unerhört, und auch nirgends Bettler und Land-streicher zu sehen; ihre trefflichen Anstalten für Arme und Hülfsbedmfcige, dieWohlthäligkeit, mit der sie sich selbst fremder Glaubensgenossen annehmen, und diestreng gehandhabten Gesetze ihrer Sittenzucht lassen nicht leicht Etwas anskom-men, das ihren Ruf beflecken könnte. Vorzüglich ihren menschenfreundlichen Be-mühungen ist die Aufhebung des Sklavenhandels und die Befreiung der Reger inden Verein. Staaten zuzuschreiben. Wissenschaften und Künste werden von ilmenwenig gefördert; unter den Facultätsstudien üben sie nur die Medicin; ihr Sinn