Pythagoras 849
düng für geistige Ausbildung zum Zweck. Allenthalben zog P. zahlreiche Schüleran sich, die ihn fast göttlich verehrten. Weil er aber die Vornehmen des Staats bil-dete, welche sich an ihn anschlossen, so gerieth sein Bund in den Verdacht der Volks-Partei. An der Spitze s. Feinde zu Kroton stand Cylon, ein reicher und angesehenerBürger, den er durch Verweigerung der Aufnahme unter s. Schüler gegen sich auf-gebracht hatte. Um sich zu rachen, überfiel dieser einst das Haus des Milo, wo eineAnzahl von Pythagvräcrn versammelt war, umringte es mit seinen Anhängern undsteckte es in Brand. An 40 Personen verloren das Leben, und nur wenige entkamen.P. selbst war wahrscheinlich nicht in dem Hause gegenwärtig. Er floh zu den Lo-krern, und da diese ihn nicht ausnchmen wollten, nach Metapontum. Na er auchhier Feinde fand, die auf s. Untergang dachten, so suchte er eine Freistätte in demTempel der Musen, wo er, der Sage nach, aus Mangel an Nahrung in einem Al-ter von 80 Jahren (um 500 v. Ehr.) umkam. Seine Schüler sollen ihm göttlicheVerehrung nach s. Lode erwiesen haben. Er selbst benutzte wahrscheinlich seine un-gemeine Kraft und Naturkenntniß, um sich in größeres Ansehen zu setzen und nach-drücklich auf die Menge zu wirken, So soll er auch behauptet haben, daß s. Seeleschon in mehren Körpern gelebt habe. Vor dem Volke erschien er in orient. Tracht,in einem langen weißen Gewände, mit herabfließcndem Barte und, wie Einige er-zählen, eine goldene Krone auf dem Haupte, in seinem Äußern ernst, gebieterischund würdevoll. Er enthielt sich, wie es heißt, aller thicrischcn Nahrung und be-schränkte sich auf Pflanzenspeisen, mit Ausschluß der Bohnen. Diese Eigenheitentrugen dazu bei, ihm bei dem Volke den Anschein eines außerordentlichen Wesenszu geben. Um seine Achtung für die Ehe zu zeigen, nahm er selbst ein Weib ausKroton zu sich, mit der er unter mehren Kindern 2 Söhne, Telaugcs und Mnesar-chus, zeugte, welche s. Schüler und Nachfolger wurden. Daß P. Schriften hinler-laffen habe, ist nach den Zeugnissen der Alten unwahrscheinlich. Die unter s. Na-men vorhandenen goldenen Sprüche, die als ein kurzer Abriß s. populären Lehrengelten mögen, scheinen von Spätem abgefaßt worden zu sein. P.'s Lehre war, wiedie ägyptische Pricstcrlehre, doppelt, eine öffentliche und eine geheime. Sein öffent-licher Unterricht bestand in praktischen Vorträgen, in welchen er die Tugend empfahlund von Lastern abmahnte,, mit besonderer Rücksicht auf einzelne Menschenclaffen,als Männer und Frauen, Ältern und Kinder, Bürger und MagistcatSpersonen u.Seine Zuhörer bei diesen Vorträgen sind wohl zu unterscheiden von der auscrwähl-ten Anzahl s. Bundesgliedcr, die er einer eignen Jucht unterwarf und erst nach lan-gem Unterrichte und nach strengen Prüfungen in alle Geheimnisse s. geheimen Lehreeinweihte. Diese Schüler mußten sich der größten Reinheit und Einfachheit derSitten befleißigen. Nach Beschaffenheit der Umstände legte er ihnen ein Still-schweigen von 2 — 5 Jahren (das pythagoräische Stillschweigen) auf. Eine Zeitlang waren die Schüler nur Hörende. Das bekannte: „Er hat's gesagt" («v?,o?L<x«) galt statt alles Beweises. Nur wer die rauhe Bahn der Prüfungen geduldigzurückgelegt hatte, durfte als Eingeweihter des Meisters Wort in dessen unmittel-barer Gegenwart vernehmen. Wer, durch die Schwierigkeiten abgeschreckt, s. Vor-haben aufgeben wollte, der konnte ungehindert zucücktreten; s. Beiträge zur Caffewurden zurückgezahlt. Man errichtete ihm ein Grab, wie einem Tobten, und ge-dachte seiner nicht mehr. Den Mitgliedern des innem Bundes wurde die ganzeLehre des P. nicht, wie den Andern, unter der Hülle von Bildern und Symbolen,sondern unverschleicrt vorgetragen. Wahrscheinlich bezogen sich diese Geheimnisseauf religiöse und politische Lehren. Man mußte sich jedoch durch einen Eid zur Ge-heimhaltung verbinden. Jetzt durften die Schüler fragen und Einwürfe machen.Man nannte sie vorzugsweise Pythagoräer. Sobald s. Schüler hinlängliche Fort-schritte in der Geometrie gemacht hatten, wurden sie zum Studium der Natur, zurErforschung der Grundprincipien und zur Kenntniß Gottes angelsiket. Andre wur-