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8 (1830) O bis Q
Entstehung
Seite
945
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Pyrmont 645

! bürg" (Wien 1824, neueA. 182?). Im Febr. 1827 erhielt P. vom Kaiserdas erledigte Erzbisthum Erlau uud die damit verbundene Erbobergespannswürdeder Heveser Gespannschaft. Dieser würdige Prälat hat üi seinem großen Wir-kungskreise Unterricht und Erziehung, Kirchenzucht und die Entwickelung ausge! zeichneter Talente, vorzüglich unter den jungen Geistlichen, eifrig befördert. 84i Pyrmont, fürstl. waldeckische Grafschaft, zwischen dem Fürstcnthuwe

! Lippe-Detmold, dem preuß. Regierungsbezirke Minden und der hanöverschen Pro-l vinz Kalenberg, 3 Stunden von der Weser gelegen, ist ein gebirgiges, von derEmmer durchflossenes Ländchen, welches 1^ sisiM., eine Stadt, 10 Dörfer und6000 größtentheils lutherische Einw. enthalt, die sich mit Ackerbau und Vieh-zucht beschäftigen. Diese Grafschaft bringt dem Landesherrn jahrl. 55,000 Thlr.ei», wozu der Mineralbrunnen allein 12,000 Thlr. beiträgt. Auch ein Galzwerkist vorhanden. Der Hauptort, Neustadt Pyrmont, eine wohlgebaute, offene Stadlvon 320 H. und 2500 Einw., liegt amnördl. Ende eines romantischen Lhales, ander Emmer. Die auf beiden Seiten von hohen Linden beschattete Hauptstraße führtzur großen Allee und den Mineralquellen, wegen welcher der Ortjährl. von mehr als1800 Badegästen besucht wird. Die Hauptquelle, in der Vorzeit der heilige Brunnengenannt, an dem obern Ende der großen Allee, quillt krystallhell in einem zierlichenachteckigen Hause. Ihr Wasser hat eine berauschende Kraft und einen geistigen,weinsäuerlichen, erquickenden Geschmack. In Hinsicht aus seine Stärke und Wohl -thätigkeit für den menschl. Körper behauptet es schon vieleJahrh. hindurch vor allenbekannten Stahlwassern den Vorzug. Es friert niemals zu, und jährl. werden an366,000 Flaschen nach allen Welttheilen verschickt, wodurch es sehr wenig von seinen flüchtigen Bestandtheilen verliert. Nahe dabei entspringt der Brodeldrunnen,welcher diesen Namen von dem starken Geräusche hat, mit welchem er hervorquillt.Sein Wasser ist nicht ganz klar und wird bloß zum Baden gebraucht. Die übrigenQuellen sind der Augenbrunnen, derklcineBadebrunncn, derSäuerling, dieSalz-l quelle, welche zu einem Salzwerke benutzt wird, und der mineralische Salzbrunnen.

Die große, 500 Schritte lange, 40 breite und mit 4 Reihen hoher Lindcnbäum?

! besetzte Allee verbindet das Brunnenhaus perspektivisch mit einem Springbrunnen.

- Zu beiden Seiten sind das Schauspielhaus, das Eaffeehaus, der große und kleinel Ballsaal, verschiedene andre Gebäude und eine große Zahl von Buden mit Galan-

s teciewaaren. Diese Allee ist der Versammlungsplatz der Curgäste. In der Nähe ist

das große Badehaus, welches 140 geschmackvoll eingerichtete Gemächer und schönegeräumige Bader enthält, wo man in Marmor, Zinn, Fayence oder Holz badet.Seit 1809 ist bei der Saline noch ein Badehaus erbaut worden, zur Benutzung dermineralischen Salzquellen. Ein paar hundert Schritte von der großen Allee liegtdas Schloß Pyrmont, seit 1806 die Residenz des Fürsten. Es ist mit einem mitLinden bepflanzten Walle und einem Graben umgeben. Der sogen. Pulverthurmauf dem Walle ist in einen schönen Salon, welcher mittelst einer fliegenden Brückeüber den Gchloßgraben mit einem engl. Vosket zusammenhangt, verwandelt wor-den. Der Königsberg erinnert an Friedrich ll., König von Preußen, welcherwährend s. Aufenthalts in Pyrmont dort den Brunnen zu trinken pflegte. ImDunkel ehrwürdiger Eichen hat man ihm ein marmornes Denkmal errichtet. DieDunsthöhlc in einem Steinbruche besteht aus einer im Quadrat 6 Fuß großen, 10Fuß hohen gewölbten Grotte. Der aus dem Boden hcrvorkommcnde erstickendeDunst (ein kohlensaures Gas) steht gewöhnlich 2 bis 3 Fuß hoch darin. Bei gro-, ßer Wärme aber, bei östlicher Luft, bei schönem, Hellem Wetter füllt er bisweilendie ganze Grube an. Alsdann empfindet man in derselben Angst, Beklemmung,Schwindel, und muß sich schnell zurückziehen, wenn man nicht augenblicklich lebloszur Erde sinken will. Bisweilen findet man in der Vorhalle der Dunsthöhle tobteFrösche, Vögel, Hasen u. a. Thiere. Das brennende Licht erlischt, sobald man sichKsnv.-kex. SiebenreAufl. L'o. Vlll. 1 60