941
Pyramiden
wohnlich der Länge der Grundfläche gleicher Höhe, deren 4 Seiten nach den 4 Wett-gegenden gerichtet sein sollen, und von denen 2 Seiten gewöhnlich größer als dieandern sind. Einige behaupten, daß sie der Sonne oder einer andern Gottheit ge-weiht waren, nach Andern dienten sie zu astronomischen Beobachtungen, als eineArt Sonnenzeiger; nach Diderot zur Erhaltung und Überlieferung histor. Nach-richten und Kenntnisse; nach Andern bloß zur Befriedigung der Eitelkeit und desbrückenden Despotismus der Könige, oder zur Feier von Mysterien, zu geheimenZusammenkünften, oder zu Kornmagazinen, oder endlich — und dies ist die ge-wöhnlichste Meinung der Alten, zu Begräbnissen, Gebäuden auf Begrädnißplätzen,symbolischen Darstellungen des Schattenreichs oder Mumienkammern. Am be-rühmtesten waren die des Eheops und des Ehephren. Man theilt die noch vorhan-denen (sämmtlich in Mittelägypten) in 5 Gruppen, die ungefähr 40 Pyramidenenthalten. Der Strich, in welchem die Pyramiden stehen, fängt von Dagschuran und geht bei Sakkarah und Memphis vorbei, bis fast zum 30° N. B. in derLänge von 14,000 Schritten und geringer Breite. Die Pyramidengruppe vonGize (Dschischeh, in der Nähe des alten Memphis) ist die berühmteste. Hiersteht die größte. Herodot sagt, man habe ihm berichtet, daß sie die Gebeine desCheops, eine andre dabei sichende aber die Gebeine seines Bruders Ehephren be-decke , welcher ihm nachfolgte. Nicht unwahrscheinlich ist dir Nachricht dieses al-ten Schriftstellers, daß 100,000 Menschen 20 Jahre lang ununterbrochen an Er-I richtung dieses Ungeheuern Gebäudes gearbeitet hätten, und daß Cheops deßhalbder Gegenstand ves Hasses seines Volks geworden sei. Als Savary die Pyrami-den von Gize besuchte, erhielt er, gegen eine kleine Abgabe, von dem Kiaschif oderGouverneur des Districts eine Bedeckung zum Schutze wider die Araber. Er brachum 1 Uhr nach Mitternacht von Gize auf und wurde bald darauf durch den An-blick der beiden größten Pyramiden erfreut, deren Gipfel der Mond beschien. Siehatten das Ansehen ungeheurer Felsenspitzen, welche durch die Wolken drangen.Um halb 4 Uhr Morgens machte sich die Gesellschaft bereit, in die große Pyramidehineinzusteigcn. Sic legten größtentheils ihre Kleider ab, und Jeder nahm eineFackel in die Hand. So begannen sic einen langen Gang hinabzusteigen, der zu-letzt so eng wurde, daß sie auf Händen und Knieen kriechen mußten. Als sie ihn zu-rückgelegt hatten, mußten sie fast unter gleichen Umständen wieder aufwärts stei-gen. Am Ende dieses zweiten Ganges traten sie durch eine kleine Thür in ein wei-tes längliches, ganz mit Granit bekleidetes Gemach. An dem einen Ende diesesGemachs sah Savary einen leeren marmornen Sarkophag, aus einem Stück, aberohne Deckel. Scherben irdener Gefäße waren über den Fußboden verstreut. Siebesuchten noch ein zweites Zimmer, das unter dem eben erwähnten gelegen und vonklcinerm Umfange war. Es enthielt den Eingang eines damals mit Schutt ange-füllten Ganges. Dann stiegen sie auf demselben Wege hinaus, nicht ohne Schwie-rigkeit einen tiefen Brunnen zur linken Hand vermeidend. Als sie sich wieder infreier Lust befanden, waren Alle erschöpft durch die Hitze, welche sie im Innern derPyramide ausgcstandcn hatten. Nachdem sie sich erholt hatten, bestiegen sie diePyramide von Außen. Sie zählten gegen 200 steinerne Stufen, deren Höhe un-regelmäßig von 2—4 Fuß war, und genossen von oben der schönsten Aussicht ausdie Landschaft. Weit schwieriger war das Niederstcigen. Als sie den Erdbodenwieder erreicht hatten, gingen sie rings herum und betrachteten mit Entsetzen dierauhe Masse, die in der Entfernung aber die Unebenheit verliert und mit ebenenOberflächen erscheint. Die Form dieses Ungeheuern Gebäudes läßt eine genaueMessung nicht wohl zu; daher die vorhandenen Angaben nur als Wermuthung an-zusehen sind. Herodot gibt die Höhe auf 800 Fuß und die untere Breite auf jederSeite aufebenso viel an; Stcabo bestimmte sie auf 625, Diodor auf 600 Fuß.Mit Letzterm stimmen die neuern Angaben am meisten überein. Die Verschieden-